Südpalast

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Ohne die Preußen hätte Frankfurt vielleicht nie seinen Palmengarten bekommen. Die Gründung im Jahr 1868 verdankt sich einer Notlage und einer mutigen Bürgerinitiative. In finanzielle Nöte geriet damals Herzog Adolph von Nassau, dessen Schlosspark in Wiesbaden-Biebrich auch gut 200 exotische Pflanzen in einer Orangerie beherbergte. Als das Herzogtum 1866 wie Frankfurt auch von den Preußen annektiert wurde, sah sich der adlige Botanicus gezwungen, seine berühmten Biebricher Wintergärten zu veräußern.

Adolph von Nassau wandte sich an Heinrich Siesmayer, einen gleichgesinnten Pflanzennarren und eine wirkliche Koryphäe im Gartenbau. Siesmayer hatte sich bereits mit der Gestaltung des Bad Nauheimer Kurparks einen Namen gemacht und legte gemeinsam mit seinem Vater den Grüneburgpark an. Es war die Hochzeit der naturwissenschaftlichen Expedition, in rasantem Tempo entdeckten und erfassten die Artenkundler in Humboldts Kielwasser Jahr für Jahr mehr exotische Pflanzen, und die wollte man im wechselwarmen Europa in künstlichen Sphären aus fabelhaft konstruierten Stahl und Glas-Konstruktionen zur Schau kultivieren. Mit dem Ankauf der nassauischen Sammlung schien realisierbar, wovon Siesmayer also schon eine ganze Weile träumte: Nach den leuchtenden Vorbildern wie dem berühmten Crystal Palace oder Kew Gardens bei London wollte Siesmayer in Frankfurt seinen ›Südpalast‹ errichten, der als Hort fremdländischer Pflanzen zugleich zum Treffpunkt der Gesellschaft würde.

Jetzt brauchte er nur noch Mitstreiter – und das nötige Kapital. Beides fand er bei einigen Honoratioren der Stadt, darunter Leopold Sonnemann, Bankier und Begründer der früheren ›Frankfurter Zeitung‹. Im Mai 1868 bildete man ein Komitee zum Erwerb der Biebricher Wintergärten. Die ›Actien‹ der am 6. August 1868 gegründeten Aktien-Gesellschaft fanden in der Bürgerschaft derart reißenden Absatz, dass kurz darauf Adolph von Nassaus grüne Schätze für 60.000 rheinische Gulden den Besitzer wechseln konnten. Die Stadt überließ der Aktiengesellschaft in Erbpacht sieben Hektar Land an der damals noch ländlich geprägten Bockenheimer Straße. Schon Ende 1869 erfolgte der Umzug der Gewächshäuser, und 1870 fand die erste Blumenausstellung statt. Offiziell eröffnet wurde das neue Gartenreich mit seinem prächtigen Ensemble aus Palmenhaus und angeschlossenem Gesellschaftshaus am 16. März 1871 in Anwesenheit des preußischen Kronprinzen. Drei Jahre später besuchte sogar Kaiser Wilhelm I den von Bürgern für die Bürger geschaffenen Paradiesgarten. Die exotischen Pflanzen ebenso wie Konzerte und Bälle, die dort gefeiert wurden, machten ihn bald zur berühmten Attraktion der Stadt.

Vieles wurde seitdem im Palmengarten erweitert, besonders im Winter ist das gigantische ›Tropicarium‹ ein Hauptanziehungspunkt: Man wandelt durch eine Vielzahl an Klimazonen und die fremden Gerüche und die von Haus zu Haus immer wärmere und feuchtere Luft sind immer wieder aufs Neue ein beeindruckendes Erlebnis für Jung und Alt. Trotzdem ist das originale Palmenhaus – das Herz, aus dem sich die ganze Gartenanlage entwickelte –, noch immer das architektonische Kleinod. Friedrich Kayser baute direkt nach einem Patent der Pariser Weltausstellung, wodurch erstmals stützende Träger im Inneren vermieden werden konnten. Bis heute zählt das Palmenhaus sogar zu den größten Florabauten in ganz Europa; es beherbergt natürlich eine Vielzahl an Palmensorten, aber auch imposante Baumfarne, Bananenstauden und Strelitzien, Bromelien und Orchideen. Sämtliche Modernisierungen, etwa eine raffinierte Sprühnebel-Anlage, sieht man dem Bau nicht an. Das geisterhafte Tropfen im still-grünen Pflanzendämmer hier gehört immer noch zu den authentischsten subtropischen Erfahrungen, die man in unseren Breiten überhaupt machen kann. 

An diese glorreichen Anfänge wird mit einer Veranstaltungswoche vom 28.10. bis zum 3.11.2019 rund ums Thema Palmen- und Gesellschaftshaus erinnert. Verschiedene Aktionen, Führungen und Vorträge sowie historisches Anschauungsmaterial stimmen in die Geschichte des Hauses ein. Zusammen mit einer neu geschaffenen Klanginstallation, Musik und einem Blick hinter die Kulissen gibt es schon einmal eine kleine Kostprobe zum Palmengarten- Jubiläum 2021.


Fotos: Palmengarten

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Palmengarten der Stadt Frankfurt am Main

Siesmayerstraße 61,
60323 Frankfurt am Main

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