STADT – JUGEND – STIL

Spuren der Lebensreform im „Weltkurbad“ in den Jahren zwischen 1880 und 1932

Copyright: wiesbaden.de / Foto: sam


Im Rahmen des Wiesbadener Jugendstiljahres 2019/20 eröffnet am 22.10.2019 um 19 Uhr die Ausstellung STADT – JUGEND – STIL im sam. Erstmalig und eingehend widmet sie sich der Lebensreform sowie der speziellen Sicht und Aufnahme des Jugendstils in Wiesbaden.

Im historischen Marktkeller am Dern‘schen Gelände ist zu erleben, wie Wiesbaden um 1900 Inspirationen der gesellschaftlichen, kulturellen und medizinischen Avantgarde aufnimmt und für sich nutzt. Ideen und Impulse der Reformbewegung, vor allem aus den deutschsprachigen Zentren des Jugendstils Wien, Berlin, Weimar und Darmstadt, fließen in Geschäftsleben und Alltagskultur ein.

Jugendstil und Lebensreform – diese Schlagworte stehen für die Sehnsucht nach mehr Natur in der Kultur, für ein gesünderes Leben und mehr Freude am Körper. In Wiesbaden werden ein vegetarisches Restaurant und neue Erholungs- und Sportanlagen eröffnet. In Neubauten wie dem Hauptbahnhof (1906), dem Kurhaus (1907) und dem städtischen Kaiser-Friedrich-Bad (1913) werden – dem historistischen Geschmack Kaiser Wilhelms II. zum Trotz – Details oder auch ganze Räume im Jugendstil integriert. Die Stadt krönt ihre Glanzzeit mit einer stolzen Selbstdarstellung, der Ausstellung für Handwerk und Gewerbe, Kunst und Gartenbau im Jahr 1909. Die „Weltausstellung im Kleinformat“ lockt über eine Million Besucher an.

Lange her? Nicht so sehr. Manches ist wohlerhalten, vieles ist im historischen Gedächtnis verankert und/oder prägt die Stadt noch heute. Darunter sind gebaute Zeugnisse, z.B. die Trauerhalle auf dem Südfriedhof (1909), die vom Wiesbadener Jugendstilkünstler Hans Völcker ausgemalt wurde sowie das 1921 eröffnete Luft- und Lichtbad, das nach wie vor beliebte „Lufti“ Unter den Eichen. Unter den Alltagszeugnissen sind Souvenirs wie ein Taschenmesser mit Ansichten von Wiesbaden, eine launig illustrierte Speisekarte oder Fotos von Elisabeth Groitzsch mit ihren Patientinnen: Nach dem Tod ihres Mannes arbeitetet sie als Masseurin – nicht selbstverständlich für eine Frau um 1900.

Historische Zeugnisse und Exponate aus den Sammlungen der Stiftung Stadtmuseum und einiger institutioneller wie privater Leihgeber sind kurz und eingängig in einem kostenlosen Exponat-Heft erklärt, das in deutscher und englischer Sprache erhältlich ist.

Mitmach-Stationen wie ein Mustergenerator oder eine Stereoskop-Apparatur laden ein, selbst kreativ zu werden bzw. in ein Wiesbaden um die Wende zum 20. Jahrhundert einzutauchen. Ein vielseitiges Workshop- und Führungsangebot spricht explizit Schulklassen und Gruppen an.

Das abwechslungsreiche Begleitprogramm lässt die Themen der damaligen Zeit lebendig werden: Im Museum eröffnet am 27. Oktober um 11 Uhr der Salon Jugendstil.


Am 12. November lädt die Wiesbadener Traditionsfirma F. Ad. Müller & Söhne ins sam ein, live dabei zu sein, wenn ihre Erfindung – das Reformauge – ein besonders lebensechtes, trag- und haltbares Glasauge, angefertigt wird.

Bei einem Reform-Menü kann die Lebensreform auch außerhalb im Restaurant Les Deux Dienstbach erschmeckt werden. Jugendstil und Lebensreform werden dank des sam mit allen Sinnen erfahrbar.

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sam - Stadtmuseum am Markt

Marktplatz,
65183 Wiesbaden

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