The Big Change

Chefredakteur Dirk Becker im Gespräch mit Dirk Krämer, Bio-Landwirt und Wasserbüffelzüchter im Taunus. 

FOTOS: Marienhof organic farming

Herr Krämer, Sie waren lange erfolgreich in der Wirtschaft tätig. Nun sind Sie Landwirt. Warum?

Danke für die Frage! Viele unterstellen, dass ich mir einen Kindheitstraum erfüllen wollte. Ich hatte keinen solchen Kindheitstraum. Die zufällige Berührung mit dem Salbeianbau durch eine bauliche Maßnahme hat mich in die Landwirtschaft geführt. Nachdem ich mit dem Thema Salbeianbau infiziert war, habe ich nach dem Verkauf meiner Firmenanteile mit dem Salbeianbau begonnen. Hinzu kam, das ich den später erworbenen Bauernhof urplötzlich, nachdem ich mich für den Verkauf der Firmenanteile entschieden hatte, mit anderen Augen gesehen habe und im Vorbeifahren ein Bild vor Augen hatte, wie man den Hof entwickeln kann.

Mit der Umentwicklung, streng angelehnt an mein Konzept, habe ich nach dem Kauf sofort begonnen. Sie haben einen zertifizierten Bio-Betrieb. Was bedeutet das? Ist das die Zukunft?

Das war elementar für mich. Durch die Nähe zu meinem Freund Prof. Dr. Andreas Gattinger, der eine Professur für Öko-Landbau an der Universität Gießen bekleidet, hatte ich schon früh nichts anderes im Sinn, als Öko-Landbau zu betreiben. Gerade unter den strengen Auflagen und Richtlinien eines Verbands, um zu zeigen, dass Nachhaltigkeit und Verlässlichkeit für die Produktion von Lebensmitteln gewährleistet sind. Schlimm genug, dass das heute unter der Zertifizierung von Verbänden stattfinden muss, statt einfach nur so zu wirtschaften, wie es unsere Großeltern und die Generationen vorher getan haben. Wenn wir nie vom Weg der Qualität und Nachhaltigkeit abgewichen wären und uns nie in die Welt des Überflusses und der Massenproduktionen gestürzt hätten, hätten wir den Begriff der ökologischen Landwirtschaft nicht einführen müssen. Die Zukunft kann nur sein, dass wir uns darauf besinnen, wie wir früher unsere Äcker und Wiesen bewirtschaftet haben. Das ist die nach ökologischen Richtlinien geführte Landwirtschaft – am besten mit nachprüfbaren Regeln. Transparenz und Nachprüfbarkeit sind hier ganz wichtig.

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»Wenn man andere Wege geht, ist die Akzeptanz und die Wertschätzung auch eine andere.«

Dirk Krämer

Ihrem Iron-Creek-Projekt wohl auch in der Region eher ungewöhnlich. Wie kommt das in der Nachbarschaft an?

Außergewöhnlich gut! Das Interesse an dem, was wir entwickeln, ist groß. Viele Interessierte kommen auf den Hof und fragen detailliert nach. Aus dem Dorf und der Region erhalten wir wöchentlich Anfragen von Gastronomen, regionalen Supermärkten, Bioläden und Reformhäusern, ob man sich die Produktion unserer Erzeugnisse und unser Konzept ansehen kann. Gerade die Käseproduktion aus der Büffelmilch oder unsere übrigen Lebensmittel wecken Interesse. Einige fragen schon heute, ob sie unsere Events buchen können. Die Eröffnung unseres offenen Rinderstalls besuchten weit über 100 Gäste.

Sie bauen Salbei an und alte Kartoffelsorten, auch Tomaten, die nach Tomaten schmecken. Kann man selbst noch im Supermarkt einkaufen, wenn man so verwöhnt ist?

Eine gute Frage. Wir bauen besondere Lebensmittel an, sind aber kein Vollsortimenter. Sofern wir Produkte, die wir konsumieren, nicht bei den Kollegen einkaufen können, müssen wir diese auch im Supermarkt erstehen. Viel Freude macht das nicht, da Regionalität und dadurch kurze Wege in den Supermärkten nur bedingt angekommen sind. Viele Supermärkte sind auf den Zug der Bio- Produkte aufgesprungen und verkaufen Gemüse, Obst oder andere Produkte in Bio-Qualität aus Israel, Spanien oder sogar aus Südamerika. Toll finde ich das nicht.

Deutsche Bauern schimpfen über mangelnden Respekt und wenig Anerkennung. Wie geht es Ihnen damit?

Das kann ich so nicht sagen. Ich werde oft gefragt, was ich beruflich tue, und wecke dann großes Interesse, wenn ich erzähle, dass ich Landwirt bin. Dann kommt meistens die Nachfrage, womit ich mich in der Landwirtschaft beschäftige. Da wir uns nicht nur mit dem normalen Ackerbau beschäftigen, sondern hauptsächlich Lebensmittel produzieren, außergewöhnliche Tiere halten und im Heil- und Gewürzkräuteranbau einer der größten Produzenten von Bio-Salbei sind, werden die Rückfragen immer kleinteiliger und man merkt, dass das Thema bei vielen Interesse weckt, man mitgenommen werden möchte, es fühlen und schmecken will, ohne selbst Landwirt sein zu wollen. Wenn man andere Wege geht, ist die Akzeptanz und die Wertschätzung auch eine andere.

Herr Krämer, vielen Dank für das Gespräch!

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Merienhof »organic famring«

Sonneberg 22,
65618 Selters-Eisenbach

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