Spiesheim macht Spaß

›Keine Angst vor falschen Entscheidungen, sonst verpasst man die richtigen‹, lautet Sabrina Beckers Credo. Sie zeigt im schönen Spiesheim, dass berühmte Lagen und Traditionen längst nicht alles sind – solange man nur fest an sich glaubt. 

Fotos: Peter Bender 

Weitläufig ist es hier am Spiesheimer Weinbergsturm, windoffen, quasi auf einer Höhenlinie mit dem Petersberg. Von hier aus scheint das Rebenmeer zum Greifen nah. Woge um Woge schmiegt es sich um die Inselkuppen dort unten im Wörrstädter Land. Mittendrin ist man hier im Land der tausend Hügel. Und doch ist es noch Terra incognita, denn Spiesheim ist zwar ein pittoresker Weiler auf einem Höhenzug, konnte überregional aber trotz toller Weine noch nicht von sich reden machen. Doch an so manch kalkigen Hängen und an markanten Stellen, auch in Nach- bargemeinden wie Ensheim und Albig, wachsen Burgunder und Rieslinge, die Stoff, Spiel und Substanz haben. 

»Allerdings ist es bei uns in Spiesheim schon sehr trocken«, räumt Sabrina Becker ein, die mit weißen Guts- und Ortsweinen seit dem Jahrgang 2017 so richtig durchstartet: »Wer meint, ich wäre nur so ein schick ausstaffiertes Weinpüppchen, dem zeige ich meine Hände. Dann erkennt jeder, wie oft ich draußen bin und wie hart das auch sein kann!« Dabei wollte sie zunächst gar nicht Winzerin werden, sondern absolvierte eine Ausbildung zur Bürokauffrau bei Trautwein, nur sieben Kilometer von ihrem Heimatort entfernt. »Damals trug ich noch hohe Absätze«, sagt sie mit einem Schmunzeln, »doch das gab sich, als ich mehr und mehr die Liebe zum Wein entdeckte.« Denn zwischendurch arbeitete sie auch auf dem elterlichen Weingut, half erst nur aus. Das machte ihr bald so viel Freude, dass sie beschloss, den Beruf zu erlernen und Winzerin zu werden. »Ich wollte auch gern mal raus, mich inter- national umsehen. Doch dann wurde ich Rheinhessische Weinkönigin, womit ich niemals gerechnet hatte. Diese Zeit faszinierte mich durch viele Erfahrungen, Kontakte und Auslandsreisen bis nach Indien, wo mich ein Winedinner mit Klaus-Peter Keller total begeisterte. Ich merkte in diesem Jahr einfach, wie vielfältig und bunt die Weinwelt ist, dass Wein einem überall die Tür öffnen kann. Ich liebe es, nicht nur zwischen den Zeilen und im Keller zu stehen, sondern auch unterwegs zu sein. Daraus schöpfe ich enorm viel an Kraft!« 

Weingut Becker
Weingut Becker
Weingut Becker
Weingut Becker

Zu schnell zu groß werden möchte Sabrina nicht. Lieber die Arbeit in den Aufbau richtig guter Gutsweine stecken und an den Orts- weinen weiterfeilen. Der Aussiedlerhof bietet schmuckes, großzü- giges Ambiente, die kleine Vinothek ist stilvoll und die Weinberge sind total unterschätzt. Die Winzerin keltert genau die Art von Basisweinen, die Konsument*innen so schätzen. Die 2020er sind süffig und saftig, haben aber auch Rückgrat. Der trockene Riesling trägt sein Herz auf dem rechten Fleck, zeigt unverbrauchte Frische und jede Menge saftige Frucht. Sauvignon blanc changiert gekonnt zwischen grün-grasigen und gelb-exotischen Früchten, ist zart- würzig unterlegt. Die hellen Burgundersorten sind ein Steckenpferd von Sabrina: Der Weißburgunder schmeckt vibrierend lecker und hüllt das Steinobst schön cremig ein, während der Grauburgunder ein echter Allrounder ist – der pure Trinkspaß. Diese Guts- weine bilden das Herzstück im dreistufigen Sortiment und geben einen echten Vorgeschmack auf die Ortsweine, die noch mehr an Substanz und Spiel bieten.  Der Spiesheimer Chardonnay 2019 ist mit seinem leichten Zitruszug und den nussigen Anklängen so reif wie kühl, so straff wie geschmeidig. Auch in diesem Segment überzeugt der Weißburgunder: Die Früchte wie Steinobst und reife Nashi-Birne sind im Spiesheimer 2019 energiegeladen, der dichte Schmelz ist steinig-herb pointiert. So wie es scheint, hat Sabrina einiges richtig gemacht! 

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Weingut Becker

Außerhalb 12,
55288 Spiesheim
, 06732 1460

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