Sauffinay Blanc

Ob nun ›Godfather of Hundertgulden‹, Pfundskerl, Tausendsassa oder einfach nur der nette Jürgen von nebenan: Jürgen Hofmann aus Appenheim bewegt – ebenso wie seine unwiderstehlichen Chardonnays und Sauvignons blancs. 

Für die mineralischen Sehnsüchte im Glas schürft Jürgen Hofmann tief in den Lagen Laurenzikapelle und Appenheimer Hundertgulden, Fotos: Brigitte Reitz
Für die mineralischen Sehnsüchte im Glas schürft Jürgen Hofmann tief in den Lagen Laurenzikapelle und Appenheimer Hundertgulden, Fotos: Brigitte Reitz

Der Hundertgulden ist Fakt. An dem kommst du bei Jürgen nicht vorbei. Da fängt er das ›Gnicheln‹ des Berges ein, das Salz der Erde, die Kargheit des Kalks. Und dann hüllt er das Ganze noch cremig mit saftig-rosa Grapefruit und etwas gelber Steinfrucht ein. Keine Frage: Solch eine gereifte Flasche Riesling Hundertgulden kann glücklich machen. Da glänzen die mineralischen Sehnsüchte im Glas, dafür schürft Jürgen tief. 

Jürgen wäre nicht Jürgen, hätte er nicht auch einiges für die Sehnsuchtstrinker in petto, die von Neuseeland, Südafrika, Burgund, Loire oder Steiermark schwärmen. Über die ungemein spannenden Chardonnays und Sauvignon blancs sagt Jürgen Hofmann: »Beide haben wir bereits Mitte der 1990er-Jahre in Appenheim gepflanzt, als ich aus Kalifornien zurückkam. Damit waren wir mit die Ersten und profitieren heute enorm von älteren Stöcken, die einfach mehr Tiefe, Ausdruck und Substanz bringen.« 

Auf den Sauvignon blanc angesprochen, muss Jürgen lächeln: »Ja, da habe ich meine Stilistik zweimal geändert. Zuerst waren wir zu grasig, zu grün, dann zu reif und gelbfleischig. Heute balancieren wir genau in der Mitte, möchten diese sanfte Exotik, die zarte Cremigkeit, den Kick von Reife, Stein und knisternder Frucht. Wir gehen nicht so weit wie die neue Garde an der Loire, die fast schon brutal auf Säure setzt. Und wir stehen deutlich hinter den zu opulenten Fruchtbomben zurück, wie man sie noch in Neuseeland findet. Ich möchte es saftig, körnig, mit dem Kick einer natürlichen Ausstrahlung. Zudem experimentiere ich weiter, baue jetzt auch im ›Beton- ei‹ aus und habe ganz neu einen Sauvignon blanc nach Art der Naturweine, wo ganze Beeren länger auf der Maische mazerieren.«

Weingut Hoffmann
Weingut Hoffmann
Weingut Hoffmann

»Wir gehen nicht so weit, wie die neue Garde an der Loire, die fast schon brutal auf Säure setzt.«

Jürgen Hoffmann

Jürgen Hoffmann

Tatsächlich liegt Sauvignon blanc immer mehr im Trend, weil es um seriösen Stoff, um mundwässerndes Profil geht: »Sauvignon blanc war der Türöffner für ein neues Publikum, das dann auch den Riesling entdeckte«. Und nicht nur dieses Publikum schätzt Jürgens ›Saufi‹: gradlinig am Gaumen, ein bisschen kuschelig eingehüllt, ein wenig sexy – und souverän von allem überflüssigen Naschwerk befreit. »Spaß im Glas« nenne ich so etwas, nicht mehr und nicht weniger. 

Ebenso hat sich Hofmann bei seinen sehnigen Chardonnays vom exotischen Schmelz befreit. Er labt sich an den Pendants aus dem Jura, die aber schon recht freaky, karg und gerbig am Gaumen zie- hen. Sein Steinberg vom ›Weißen Berg‹ – dem Wißberg – und auch der ›Korallenriff‹ aus Appenheim zeugen davon, dass eine Höhe von rund 280 Metern enorme Vorteile bringt: nämlich lange Vegetationszeit, gesunde Ausreifung und kargen Kalk. Kein Bum-Bum, stattdessen komplett entfettet, strahlend-frisch, etwas rauchig, mit zartem Zitruszug und etwas Feuerstein: fertig! Das fasziniert – auch wenn Jürgen es gern noch etwas pointierter und tiefgehender hätte. Aber so ist der Jürgen nun mal. Er ist nur zu dem geworden, was er ist, weil er immer noch ein Stellschräubchen zum Drehen findet, noch ein Quäntchen mehr herausholen möchte. Zum Glück kann er auch die Füße hochlegen und über sich selbst lächeln. Dieses Lässige und Lockere schmeckt man zum Glück in Jürgens ›Saufis‹. 

VivArt Service Logo

Weingut Hofmann

Vor dem Klopp 4,
55437 Appenheim

Zurück