Leib und Spies

2004 lernte Tobias Leib bei einer Weinprobe Gerold Spies kennen, der einen Nachfolger für sein Weingut sucht. Das war immer der Traum von Tobias Leib gewesen, der in einem landwirtschaftlichen Gemischtbetrieb in Zornheim aufwuchs. Der gelernte Winzer arbeitete zunächst bei Gerold Spies, übernahm dann vor fünf Jahren den Betrieb und positionierte ihn mit Ehefrau Svenja völlig neu. 

Die Geschichte ist warm, bunt und birgt viele Zwischentöne. Sie zeigt, dass nicht alles schrill, spektakulär und voller Brüche sein muss. Manche Entwicklungen und Fortschritte brauchen auch einfach Zeit und Geduld und Svenja und Tobias Leib verfügen über beides, weil sie behutsam die Qualitätsschraube anzogen, ohne diese zu überdrehen.  Sie meistern einen Spagat, der darin besteht, die alten Kunden*innen zu behalten, ja zu begeistern, und peu à peu eine neue, auch jüngere Klientel von ihren Weinen zu überzeugen. Beides scheint zu gelingen, auch hat sich die Preisstruktur nach oben hin weiter geöffnet, ohne allerdings den Mittelbau und die Basis anzutasten. Denn zwischen 5,90 und 7,20 Euro bietet sich etwa im Segment der Premium-Weißweine gleich eine Handvoll an hellen Burgundern und Silvanern, die nicht nur herrlichen Trinkspaß und angestammte Fülle, sondern auch eine Balance zwischen fruchtiger Frische und anhaltendem Nachhall versprechen. 

Der Silvaner aus der Mönchhube etwa ist cremig, gelbfleischig, würzig, mit Noten von Birne und Quitte und Anklängen an getrocknete Kräuter. Und er schmeckt am Tag nach der Öffnung sogar noch besser! Weiß- und Grauburgunder verbinden gekonnt Reife mit Rückhalt. Bei den Lagenweinen bekommt man für nur 8,90 Euro noch konzentriertere Weißburgunder aus Steinböhl und Hasensprung, während der neue Sauvignon blanc aus dem Dittelsheimer Geyersberg kraftvoll zwischen gelben und grünen Noten changiert. Tobias Leib schätzt gerade diese grasigeren Aromen wie frische Brennnessel, die dem Wein bei aller Reife einen Frischekick geben. 

Familie Leib
Familie Leib
Familie Leib

Bei internationalen Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot darf es gern kalibriert sein. Leib kann das, er profitiert von Cabernet-Stöcken, die schon rund 20 Jahre alt sind, und versteht es auch, das Barrique stimmig einzusetzen. ›Edition‹ heißen die besten Rotweine, die sowohl geschmacklich als auch preislich in neue Dimensionen für Spies vorstoßen. Die Kunden scheinen es zu schätzen, dass es nun auch diesen Weintypus im internationalen Stil bei Gerold Spies gibt. Und wer einen transparenteren, weniger von Dichte und Röstaromen geprägten Spätburgunder sucht, kommt bei der fruchtbetonten Basis und im Premium-Segment – im Holzfass gereift – auf seine Kosten.  Tatsächlich ist für jede* n etwas dabei. Das zeigt Svenja Leib bei Weinproben auf dem Gut am liebsten mit den trockenen Rieslingen, die ein besonderes Steckenpferd sind. Sie beginnt mit dem animierenden Riesling Dittelsheim, der großzügig gelbe Früchte und melonige Süße spendiert. Beim Pendant aus der Dittelsheimer Pfaffenmütze wird es dann nachhaltiger und mineralisch-würziger. Der Riesling aus der Dittelsheimer Mönchhube zeigt noch exotischere Nuancen, die Aromatik wird komplexer und steiniger unterlegt. Für knapp zehn Euro ein echter Genusskauf, der viele überzeugt. Die Spitze markiert die ›Edition‹ aus der Dittelsheimer Mönchhube: hochreif, kalibriert, enorm lang und mit markantem Charakter. 

Anhand dieser vier Weine lässt sich in einer Reihe präzise erschmecken, wie sich Spontangärung, Extrakte und Stoffigkeit steigern. Wer probiert, findet stets eine Stilistik, die den eigenen Vorlieben entspricht – und zwar in einer persönlich gestimmten Atmosphäre, in der es entspannt und unaufgeregt zugeht! 

 

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Weingut Gerold Spies

Flachsgasse 2,
67596 Dittelsheim-Hessloch
, 06244 7497

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