Deutschland Deep Dark

Good old Germany ist verdammt cool geworden! Und das durch neue internationale Sorten wie Cabernet, Syrah & Co. – nur was für echte Kerlinnen und Kerle! It’s only Rock ’n’ Roll, but Manfred Lüer likes it! 

 

Klaus Gres

Wenn es Klaus Gres nicht gäbe, müsste man ihn erfinden. Er ist nicht nur ›Grandfather of Hundertgulden‹, sondern auch der Rotweinmann am Berg. CuvéeNr.1 heißt sein wichtigster Wein, dafür nehmen selbst eingefleischte Spanien-Aficionados einen weiten Umweg in Kauf. Zugegeben, ich habe seine maurisch anmutende Schönheit länger unterschätzt: zu wild, zu feurig und ungezähmt in ihrer Jugend. Aber dann! Ich habe kürzlich Jahrgänge bis zu 2004 (!) getrunken und da ging mir am Gaumen nicht nur ein Licht auf, sondern gleich ein ganzes Feuerwerk. Schwarzkirsche! Cassis! Grafit! Mokka! Erdige Würze! Leder! Saftdichtes Tannin! Aktuell ein verdammt starker 2018er zu einem Preis, der Etikettentrinker das Fürchten lehrt. Und dann noch der ›Appenheim- Amarone‹: wahrlich ein Patriarch des guten Geschmacks. Machomäßige Power trifft auf Feinschliff. Das schmeckt wie echte Emanzipation und ist doch nichts für Weicheier, sondern ein wie der 2015er knallhart oxidativ und gnadenlos auf Potenzial ausgebauter Oberhammer. 

Klaus Gres
Klaus Gres
Klaus Gres

Dr. Andreas Schreiber ist Familienmensch und eine Mischung aus Lieblings-Schwiegersohn und Herzens-Winzer. Da, wo andere tönen, hört er lieber zu. Einer, der die feinsten Strömungen im Rebenmeer spürt. Beim ›Wein-Doktor von Worms‹ und seiner bezaubernden Frau Carmen greift vieles ganz harmonisch ineinander. Sie hat richtig Charme und stammt vom Bodensee. Er unternimmt selbst die Wein-Touren zu seinen 3.000 Stammkunden in ganz Deutschland, die teils über Generationen ›ihren‹ Schreibers verbunden sind und die liebend gern das Oktoberfest auf dem Familien-Weingut besuchen. Andreas’ neuester Clou sind seine Cabernets Sauvignons und Syrahs. Ausgebaut als jeweils reinsortige Ortsweine und miteinander verschnitten für die aufregend dichte ›Cuvée Carat‹. Ihr Profil erinnert an ihren Macher: überraschend warme, volle, samtige Art und dennoch enormes Rückgrat. Das französische Holz sitzt eng wie ein Maßanzug. Vor allem der Syrah überrascht. So viel Power ... aus so jungen Reben. Das sorgt für Verblüffung und Begeisterung. Vor allem bei Kunden, die die Sorte rauer und holzbetonter kennen. ›Ankommen – Erleben – Genießen‹. Die Wärme der neuen Roten und die der Familie färben ab! 

Schreiber
Schreiber
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»Für mich war Cabernet Sauvignon sogar der Einstieg in die Welt des Weins«, sagt Justus Ruppert vom Hesslocher Weingut Ruppert-Deginther. »Meine ersten praktischen Erfahrungen sammelte ich 2006 und 2007 noch während der gymnasialen Oberstufe. Ich durfte mir einen Weinberg aussuchen und entschied mich für die alten Cabernet-Sauvignon-Stöcke auf dem Heslocher Liebfrauenberg: unheimlich spannend, schwerer, karger Kalk-Tonmergel auf purem Felsgestein.« Tatsächlich war schon Justus’ 2009er-Cabernet einer der ganz großen in ganz Deutschland und Nachfolger wie 2015 festigten Rupperts Ruf weiter: feinste Cassis-Konfitüre, sattes Tannin, körnige Intensität, tiefe Würze und dazu dieser mineralische Grafit. Das alles präzise, reif, dicht und nie zu wuchtig, sondern sogar etwas verspielt. Das gilt auch für die Cuvées aus internationalen und hiesigen Sorten: ›RotWild‹ schmeckt ungezähmt, wild, anfangs etwas verschlossen, changiert dann aber zu tiefer Klarheit und nobler Finesse. ›Schwarzwild‹ reicht noch tiefer ins Fruchtmark, ist geschmeidiger, saftiger, dunkler. Und mit dem 2018er-Cabernet Sauvignon schmiegt sich der nächste Samthandschuh um die geballte Faust. 

Schreiber
Schreiber
Schreiber

»Schon 1996 haben wir – damals mehr aus Neugierde und noch im Versuchsanbau – Cabernet Sauvignon, Merlot und Spätburgunder im selben Weinberg gepflanzt«, erinnert sich Christine Spiess. »Wir wollten einfach sehen, wie diese international so bekannten und weit verbreiteten Rebsorten mit unserem Klima klarkommen, aber auch, wie sie vom Endverbraucher angenommen werden. Aus heutiger Sicht war es der richtige Weg!« Christines Mann Burkhard Spiess hatte aber auch schon immer den richtigen Riecher. Der gestandene Weinmacher trumpft auch bei Cabernet Franc und Merlot groß auf. Und der Spätburgunder ›Geyersberg‹ ist souverän von allem Schnickschnack befreit. Burkhard ist ein Macher, der eng geschnürte Kraftpakete setzt, die satt sind, aber nicht satt machen. Pures Handwerk nennt man das! Heute arbeitet er mit seinen beiden Söhnen Julius (Jahr- gang 1996) und Carl (Jahrgang 1999) Hand in Hand und seine Frau Christine führt das genial-lässige, urban-rurale und überhaupt mächtig angesagte Weinrestaurant ›Vis à Vis‹ in Osthofen. ›Zinnober‹ aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Spätburgunder ›spiesst‹ als roter Gutswein die Alte und Neue Welt zu einem vinologischen Gaumenschmaus auf, während der Syrah einfach nur die Wucht ist. Getreu dem Credo: Bist du zu schwach, ist er zu stark! 

Schreiber
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