Der Weinberg-Warrior

Eckehart Gröhl ist der Pinot-Ninja Rheinhessens. Er sorgt für mächtig Aufsehen und Druck. Nicht nur in seinen Stages, die andere Weinberge nennen, sondern auch im Glas. Power-Pinots für taffe Mädels und echte Kerle!

Weingut Eckehart Gröhl

Für mich ist Eckehart Gröhl einfach nur ›Gröhl-Man‹. Seine ultimative Energiearbeit für den Spätburgunder an der Rheinfront ist einfach nur der Wahnsinn. Das hat tatsächlich etwas von ›Ninia Warrior Germany‹, Deutschlands Show mit dem wohl härtesten TV-Hindernisparcour. Schon Mitte der 1990er-Jahre bewältigte Gröhl seine erste Stage – und haute mächtig auf den Buzzer. Er suchte sich seinen ersten Parcour im Oppenheimer Herrenberg; hier erwarb Gröhl ein grotesk steiles, praktisch unbestellbares Stück mit Scheurebe, die er durch hochwertige Klone vom Spätburgunder ersetzte. Das war nun eine Challenge, über die mancher Winzer aus der Nachbarschaft mitleidig lächelte, vorsichtig ausgedrückt: »Als mein Mitarbeiter und ich dann noch in das steile Gelände mit einem Schlepper fuhren, hatten die Leute eine fernsehreife Vorstellung. Wir hatten eben schon immer Mut zum Risiko!«

Weingut Eckehart Gröhl

Ein Gröhl, ein Weg! Dieser führte 2009 zur nächsten Challenge, gegen die der Herrenberg ein Ponyhof war. Gröhl übernahm von Guntrum ein 1,75 Hektar großes Sahnestück in der Niersteiner Hölle: Rückwärtig klafft ein mächtiger Steinbruch, vis-à-vis der Reben öffnet sich die Rheinebene. Nur leider hatte der Deal gleich zwei Hinkefüße: Die ›Hölle‹ war zum einen seit Jahrzenten querterrassiert und hat zum anderen ein bis zu 40-prozentiges Gefälle – nichts für schwache Nerven! Doch Gröhl liebt nun mal das Battle. Also machte er sich zunächst daran, tonnenweise Erde zu verschieben und längs zu terrassieren, um das natürliche Gefälle optimal nutzen zu können. Darauf die mächtigen, quadergroßen Steinbrocken dort wegzurücken. Spätestens jetzt erklärten ihn einige Ansässige schlichtweg für verrückt: »Wir haben monatelang die Hölle unterhalb der alten Weißburgunder-Reben wieder zurückgebaut – so wie sie früher auch angelegt war. Aber mit den vielen Felsbrocjen dort sind wir jetzt quasi steinreich. Das habe ich anfangs wirklich unterschätzt. Als würden sie wieder nachwachsen.« Und es gab auch nur eine Rebe dort: Spätburgunder allerbester Provenienz. Denn Topp-Rieslinglagen, selbst im berühmten Rotliegenden, hatte Gröhl schon genug. 

Im Nachhinein legte der Gröhl-Man einen fast unmenschlichen Run hin. Aber die Reben dankten es mit echten Powerstoffen. Die Pinot-Beeren hier in der kargen, kalkigen Steillage sind besonders klein, komplex und hocharomatisch. Höllisch gut eben!

Weingut Eckehart Gröhl

Pinot Noir Oppenheimer Herrenberg

2009 – Gröhls erster Paukenschlag mit packender Länge aus 30 Monaten im Barrique: einfach nur riechen, schlürfen, schlucken. Das dicht Gewobene der Schwarzkirsche bewegt, das kühle, dunkle Cassis betört. Eine feminine, ja erregend-sinnliche Kraft, für die man sofort Feuer und Flamme ist. Packende Länge.

2011 – Etwas kühler, mit noch mehr Mineral. Der Duft kommt noch mehr aus dem Boden. Cremig eingehüllter Stein, die Kraft liegt in der Tiefe. Klassisch, fest, souverän, von der fleischigen Frucht weggeschoben. Etwas für echte Finessentrinker.

2012 – Ausladender Duft. Breit gefächert mit Schwarzkirsche und Cassis, aber auch mit präsenten Röstnoten wie Kakao und Mokkabohnen. Ein fest geschnürtes Paket, das am Gaumen Druck macht, dicht gepackt und würzig. Nichts für Weicheier!

Niersteiner Hölle

2011 – Noch komplexer als der Herrenberg, unverwechselbar und intensiv. Mit vibrierender Spannung zwischen Frucht und Mineral. Tief, üppig und doch kühl. Cassis, Schwarzkirsche, Brombeere, Lorbeer, Mokkabohnen. Ein salziges Schlecken am Kalk, deutlich in der Würze, tiefgründig und dicht. Die Muskulatur einer großen Lage!

 

Fotos: Jason Sellers

VivArt Service Logo

Weingut Eckehart Gröhl

Uelversheimer Straße 4,
55278 Weinolsheim
, 06249 93988
Die Pinots von Gröhl entwickeln ihre Statur erst nach Jahren. Daher sind erst jetzt die starken 2013er im Verkauf: Die Hölle ist konzentrierter Genuss, ungezähmt, wild, kalibriert. Auch der Herrenberg berührt: femininer, zarter, fruchtiger, filigraner. Weitere gereifte 1,5-Liter-Magnums auf Anfrage.

Zurück