ab durch die mitte

Das ›cisterzienser weingut‹ Michel in Dittelsheim-Heßloch hat eine über 800-jährige Geschichte, aber auch eine spannende Gegenwart, in der Karen und Uli Michel aktuell einen Relaunch kreiert haben. Von Manfred Lüer. 

Foto: Timo Volz

»Wir sind Mainstream!« Karen Michel ist sichtlich stolz auf das, was ihr Mann Uli und sie zu bieten haben: »Bei uns findet jeder etwas. Ob nun klassisch oder international, von Riesling über Sauvignon blanc bis zu starkem Merlot. Eine unserer Stärken sind die Cuvées. Dabei lassen sich die Vorzüge der einzelnen Sorten super mitein- ander verbinden und viele Kunden schätzen das!« 

Der Chardonnay-Riesling 2020 etwa ist für sieben Euro ein echter Renner. Zart nussig unterlegte Cremigkeit harmoniert erstaunlich gut mit verspielter Fruchtigkeit und Finesse. Der 2020er ›Tagwerk‹ weiß verbreitet coole Frische, und die trockene Assemblage ›Sommersprossen‹ aus knackfruchtigem Sauvignon blanc, saftigem Riesling und elegantem Weißburgunder zaubert ein Lächeln ins Gesicht. Dann der rote ›Monsignore‹: Cabernet Sauvignon gibt Cassis und Kick, Regent die Beerigkeit und St. Laurent Saft und Spiel. Doch wie passt dieses vinologische Feeling für Freiheit zu den frommen Zisterziensern, mag sich da so mancher Konsument fragen. Auch darauf reagiert Karen Michel gewohnt souverän: »Die Zisterzienser haben im Mittelalter den Weinbau doch regelrecht revolutioniert und waren da ungemein kreativ.« 

 

»Wein soll Trinkfreude bereiten, die Fülle der Frucht ist etwas Herrliches. Die Hauptsache ist doch, dass die Lust auf den nächsten Schluck geweckt wird.«

Uli Michel

Kloster Eberbach etwa war im Mittelalter wohl der größte Weinerzeuger und auch das relevanteste Weinhandelsunternehmen der damaligen Welt. Und 1173 wurde das Wein- und Hofgut Heßloch ins Leben gerufen. Es diente den weltlichen Gütern und Liegenschaften des Zisterzienserklosters Otterberg, selbst ein Tochterkloster von Kloster Eberbach. 1780 kauften es die Ahnen von Ulrich Michel. Heute erinnern steinerne Zeitzeugen, kunstvolle Reliefs wie ›Fuchs und Gans‹, ja sogar ein Geheimgang an die faszinierende Vergangenheit. Dazu hat die studierte Agrarwissenschaftlerin Karen Michel einen zeitgemäßen Relaunch kreiert: Die Etiketten wirken puristischer und markanter ist auch die neue, reduzierte Wortmarke ›cisterzienser weingut‹ in neuer Typografie. Ebenfalls wurde das Logo generalüberholt: Ein Element aus dem Originalwappen des Zisterzienserordens, dessen Grundform an das Maßwerk von Kirchenfenstern erinnert, wurde zum neuen Zeichen. ›Wir wagen Neues und nehmen Sie mit!‹, lautet das Credo. Ganz im Sinne eines positiv besetzten Mainstreams, wie Uli erklärt: »Wir mögen es locker, lässig, unverkrampft. Der Spaß und das Genießen sollen im Vordergrund stehen. Wein soll Trinkfreude bereiten, die Fülle der Frucht ist etwas Herrliches. Die Hauptsache ist doch, dass die Lust auf den nächsten Schluck geweckt wird.« 

Der Sauvignon blanc 2020 etwa bietet Konzentration und Klarheit: grün- und gelbfleischiges Aromenspiel von Steinobst, Apfel, Zit- rusfrucht, Brennnessel und Stachelbeere. In der leicht rauchigen Fumé-Version aus 2020 kommen Schmelz und exotischere Ausreifung hinzu. Der Merlot – hier vom Jahrgang 2015 – ist ein Klassiker: samtig, dicht, unverkrampft-lecker, mit würziger Kirschfrucht. Gegliedert ist das Sortiment durch die dreistufige Qualitätspyra- mide mit klaren Bezügen vor allem zur Bechtheimer und Hesslocher Herkunft, wobei auch ein kalibrierter Morstein-Riesling 2020 aus Westhofener Gemarkung mit an der Spitze steht. Von rotem, eisenhaltigem Boden bis hin zum tiefgründigen Kalk bietet sich ein breites Spektrum an urleckeren Weinen, die auch als Aromarebsorte vor allem eines bereiten sollen: Spaß am Genießen. »Unser neuer Muskateller 2020 hat die Leute auf Anhieb begeistert!«, freut sich die aus Norddeutschland stammende Karen. Rosé ist mit vier Weinen aus 2020 ebenso ein Thema, wie es die Sekte sind: Der Sauvignon blanc 2019 liegt ganz in der Frischespur: Stachelbeere, Kiwi, Zitrus, Brennnessel, Apfelhaut. Zart cremiges, leicht süßliches Mousseux, beschwingtes Perlen. Ein emanzipierter, eigenständiger Sekt, der seine Mitte gefunden hat – Mainstream kann etwas richtig Gutes sein. 

 

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cisterzienser weingut

Dalbergstraße 28–30,
67596 Dittelsheim-Heßloch

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