Zugewandte Kunst

Seit 2012 leitet Prof. Matthias Wagner K das Museum Angewandte Kunst am Mainufer. Uns von VivArt gefällt schon lange, wie relevant er seinen Ort mit zeitgenössischer angewandter Kunst bespielt, die kontrovers ist, die zur Diskussion anregt und sich den Besuchern aber stets zugewandt zeigt. Seit Juli und noch bis weit ins Frühjahr haben Sie hier zum ersten Mal Gelegenheit, den Installationen und Bildwerken von Anette Lenz zu begegnen. VivArts Aperçu, das ihrem genialen ›à propos‹ kaum gerecht werden kann. 

Installationsansichten. ANETTE LENZ. à propos. Fotos: Wolfgang Günzel 

Die in Paris lebende deutsche Grafikdesignerin Anette Lenz zählt zu den einflussreichsten Gestalter*innen unserer Gegenwart. Aus einem Misstrauen gegenüber kommerzieller Werbung heraus hat sie neue Strategien für die visuelle Kommunikation im öffentlichen Raum entwickelt, die ihr eigenes Metier heiter hinterfragen. Ihr teils anarchisches, immer lustvolles und kühnes Experimentieren mit Typografie, mit Farbe, Fotografie und Film brachte außergewöhnliche Plakatserien, Bücher, Ausstellungskonzepte und visuelle Identitäten mehrerer französischer Städte, Theater und Museen hervor. In einer nach wie vor männlich dominierten und von ökonomischen Faktoren bestimmten Kommunikationswelt vertraute sie stets auf die eigene Einmaligkeit, wodurch sie die Avantgarde einer neuen Generation von Grafikdesignerinnen vorantrieb. 

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In dieser allerersten Einzelausstellung in Deutschland kontextualisiert, ironisiert und kommentiert Anette Lenz ihr eigenes Lebensgefühl. Sie verwandelt die Museumsräume in begehbare grafische Welten, die visuelle Kommunikation als sinnlich-poetischen Denkanstoß erlebbar machen. Der Titel ›à propos‹ – was so viel bedeutet wie ›nebenbei bemerkt‹ – steht dabei nicht nur für ein kommentierendes Hinzufügen von etwas Eigenem, sondern erhebt auch den Anspruch auf Relevanz: Die gesamte Schau von Lenz ist für uns ein Propos, das genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. Und wir folgen gern ihrer Aufforderung, werden zum Komplizen ihrer Werk- und Sichtweise. Auch wenn es mit den Mitteln der Werbung geschieht, fühlt man sich als Betrachter gerade nicht als Konsument; wir können in ihrem Ideenreichtum schwel- gen und uns von der Ausdruckskraft von Grafikdesign beeindrucken lassen, ohne ein Produkt kaufen zu müssen. Handelt es sich doch um ein raffiniertes Spiel aus immer wieder anders inszenierten Wechselbeziehungen von Information und Bildlichkeit. 

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Idealer Auftakt dafür ist schon das grafische Werk ›ICH BIN EIN TEIL DES GROSSEN GANZEN UND DAS GANZE GROSSE IST IN MIR‹. Anette Lenz bietet damit schon die Gebrauchsanweisung für ihr Œuvre. Aus dem Motiv dieser Arbeit heraus entwickelt Anette Lenz einen schwarzen Pfad, der sich wie ein Strahl an ihren Ideenwelten zu brechen scheint, und alle Facetten ihrer prozesshaften Arbeit in Raum, Zeit und Kreativität integriert. Die immer wieder großflächig verwendeten Farben bilden die emotionale Seite ihrer grafischen Welten. Eine besondere Rolle spielt dabei das Plakat. Ihr bevorzugtes Mittel ist dafür der schön roughe Siebdruck, bei dem die Farben mit einer Gummirakel durch ein feinmaschiges Gewebe aufs Papier gebracht werden, sich die Farbschichten reizvoll decken oder diese opak durchscheinen lassen. Mit der Lebendigkeit ihrer Plakatmotive beweist Lenz, dass diese grafische Disziplin nicht mit Warhol tot exerziert wurde und noch immer aktuell ist. Was bleibt uns mehr als der Appwell, sich den vielschichtig durchdachten Gestaltungsprozess von Anette Lenz nicht entgehen zu lassen! 

 

Bis 16. Mai 2021
Derzeit geschlossen

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Museum Angewandte Kunst

Schaumainkai 17,
60594 Frankfurt am Main

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