SCHERE, STEIN, PAPIER – IN DER ZEITGENÖSSISCHEN KUNST

Zu lange ging der allgegenwärtige Werkstoff Papier in der Kunst unter. Dann wurde die ›paper positions‹ gegründet, um Papier wieder zum ›Kunststoff‹ zu erheben; im letzten Jahr hatte die Messe ihren Auftakt in Frankfurt. Gründer Kristian Jarmuschek ist zusammen mit Heinrich Carstens Visionär und Direktor der Messe, Ines Wittneben verantwortet als Leiterin der Kommunikation insbesondere die Projektorganisation und die Veranstaltungsplanung, während Julia Spindelmann die Pressearbeit und digitale Kommunikation leitet. Mara von Zitzewitz traf alle drei zum Gespräch.

Kristian Jarmuschek, Ines Wittneben und Julia Spindelmann, Fotos: Clara Wenzel-Theiler
Kristian Jarmuschek, Julia Spindelmann und Ines Wittneben Fotos: Clara Wenzel-Theiler

2016 bot die POSITIONS dem Werkstoff Papier als künstlerischem Material erstmals ein eigenes Format. Was war das Erfolgsrezept?

KJ: Richtig, vor vier Jahren haben Heinrich Carstens und ich das Salonformat paper positions erstmals ausprobiert und eine Papierausstellung im ›Bikini Berlin‹ ausgerichtet. Uns war wichtig, das breite Spektrum dieses besonderen künstlerischen Werkstoffs aufzuzeigen und internationale Entwicklungen und Tendenzen widerzuspiegeln. Aber wir hätten definitiv nicht mit so vielen Besuchern gerechnet – wir wurden buchstäblich überrannt! Im Folgejahr erweiterten wir das Konzept daher zu einer Kunstmesse, die in Berlin und München ausgerichtet wurde. Basel und Frankfurt folgten 2018 und 2019.

IW: Die Idee eines Kunstsalons in Form einer Messe ist reizvoll. Wir verzichten auf klassische Kojen und gestalten die Räume eher wie eine große Gruppenausstellung. Dadurch kann man einzelne künstlerische Werke auch in Dialog bringen. Wir konnten diesem fragilen und zarten Medium Papier ein adäquates Forum schaffen, eben nicht überdimensioniert, sondern eher ein intimerer Begegnungsort für die Kunst.

Heute ist die paper positions eine eigenständige Messe, läuft aber parallel zum Mutterschiff der POSITIONS. Wie ergänzen sich die beiden Formate?

KJ: Mit beiden Messeformaten möchten wir einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst bieten und einen Diskurs ermöglichen. Das Schöne an der paper positions ist, dass Papier für Sammler oft eine Art Einstiegsdroge ist. Viele Sammlungen wurden mit Papierarbeiten begründet und dann durch andere Medien erweitert. Durch die Verbindung beider Formate wird das Spektrum noch breiter und wir können die unterschiedlichsten Facetten der Kunst zeigen!

JS: Dabei ist es uns ein großes Anliegen, eine entspannte, persönliche Atmosphäre zu schaffen, die zum offenen Austausch animiert und in der sich sowohl die Galerien als auch die Gäste wohlfühlen. Das ist im Kunstmarkt nicht selbstverständlich. Aber wir geben unser Bestes, das zu ändern, denn der gemeinsame Spaß und die Leidenschaft für Kunst sollten doch im Fokus stehen!

Alle wichtigen Kunstevents fielen in diesem Jahr entweder ganz aus oder wurden in den Herbst verschoben, wie neben der paper positions auch das Berliner Galerienwochenende. Welche Auswirkungen hat das auf die Messewelt?

IW: Die letzten Monate waren für alle turbulent und auch wir sahen uns mit großen Herausforderungen konfrontiert. Umso mehr freuen wir uns auf die wiederkehrende Normalität – auch in der Kunstwelt. Wir nutzen die derzeitige Vorbereitungszeit, um uns auf die neuen Anforderungen einzustellen und neue Wege der Präsentation zu finden.

JS: Das stimmt, wir versuchen, mit vielseitigen digitalen Formaten und Aktivitäten als Pionier zu agieren und hybride Formen des Messebesuchs zu ermöglichen. In diesem Jahr haben für uns die Integration und Umsetzung einer progressiven Digitalstrategie und die bestmögliche Ausgestaltung des Hygienekonzepts natürlich oberste Priorität. Was die vergangenen Monate allerdings auch klar zeigten, ist, dass kein digitales Format die persönliche direkte Kunstbegegnung ersetzen wird. Kunstmessen schaffen komplexe Situationen und vielschichtige Erlebnisräume, die es den Gästen ermöglichen, in einem Raum mit einem Kunstwerk in Beziehung zu treten! 

Fotos: Clara Wenzel-Theiler
Fotos: Clara Wenzel-Theiler
Fotos: Clara Wenzel-Theiler

Nach bereits einem halben Jahrzehnt hat sich die POSITIONS von einem auf vier international wichtige Kunststandorte im deutschsprachigen Raum vergrößert. Diese Städte sind dabei jeweils sehr unterschiedlich. Was erwartet uns etwa in den Hallen des Flughafens Tempelhof?

KJ: Durch eine Erweiterung auf auf zwei Hangars garantieren wir dank breiter Gänge und einer ausgedehnten Präsentation alle notwendigen Sicherheits- und Hygienemaßnahmen. Zudem haben wir das Glück, dass es eine sehr weitläufige Außenfläche unter dem überdachten Flugfeld gibt. Dort können sich unsere Gäste aufhalten, unser Cateringangebot nutzen und sich von großformatigen Kunstwerken überraschen lassen, die wir im Rahmen der Open Air POSITIONS zeigen.

JS: Auch inhaltlich werden die Messen großartig! Rund 130 Aussteller werden in den Hangars 3 & 4 präsentiert. Wir freuen uns auf großartige Werke von über 300 Künstlern, darunter nicht nur Malerei und Skulpturen, sondern auch Zeichnungen, Collagen, Objekte, Fotografien, Künstlerbücher, Autographen und Grafiken. Überdies richten wir zum zweiten Mal auch die FASHION POSITIONS aus, bei der ein spannungsreicher Dialog zwischen Kunst und Design auf der Messe eröffnet wird. 

Und bei der im Oktober stattfindenden Münchner Ausgabe ...?

KJ: Die ›POSITIONS Munich Art Fair feat. paper positions.munich‹ wird im Utopia München, ehemals Reithalle München, stattfinden. Hier stecken wir noch in der Bewerbungs- und Organisationsphase. Was wir aber ganz sicher schon jetzt sagen können, ist, dass wir unseren Gästen erneut eine spannende Auswahl an künstlerischen Positionen bieten werden!

In diesem Jahr kann die zweite Frankfurter Ausgabe leider noch nicht wieder stattfinden. Dennoch sind einige Galerien aus Frankfurt und der Rhein-Main-Region vertreten. Auf welche Positionenkönnen sich die Besucher freuen?

IW: Ja, schweren Herzens haben wir uns dazu entschieden, die paper positions.frankfurt dieses Jahr pandemiebedingt auszusetzen. Wir sind große Fans der Rhein-Main-Region und der hiesigen Kunstszene. Und natürlich stehen wir in engem Austausch mit den Galeristen aus Frankfurt und Umgebung und freuen uns, dass u. a. ›Galerie Heike Strelow‹, ›Galerie Hübner + Hübner‹, ›Galerie Maurer‹ und ›DavisKlemmGallery‹ Teil unserer diesjährigen Berliner Messen sind.

Die Frankfurter wissen um die Besonderheit ihrer Kunstszene samt Städelschule, dem Museumsufer und den vielen Szenetreffs im Bahnhofsviertel. Wie nehmen Sie die Frankfurter Szene wahr?

JS: Frankfurt ist ein wahnsinnig spannender Standort! Wir wurden im Vorjahr nicht nur sehr herzlich von der Stadt und dem Publikum aufgenommen, uns imponierte auch das hohe Niveau der teilnehmenden Galerien, die beweisen, dass Frankfurt im internationalen Wettbewerb in der zeitgenössischen Kunst definitiv weit vorn liegt. Die Kunstszene hier ist stets an neuen Tendenzen und Trends interessiert. Und wir spüren, dass es hier eine große Tradition von engagierten Privatleuten gibt, die Kunst und Kultur fördern. Das wurde auch an der beispiellosen Unterstützung durch Unternehmen, Stiftungen und zahlreiche Bürger deutlich, die mit ihren Mitteln einen großen Beitrag zur Städel-Erweiterung leisteten. Wir freuen uns schon jetzt darauf, unsere Kunstmesse 2021 wieder hier zu veranstalten!

 

Vielen Dank für das schöne Gespräch! Wir sehen uns in Berlin und München und freuen uns, 2021 Sie wieder in Frankfurt zu begrüßen!

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