Paradiesische Aussichten

Das Museum Wiesbaden nimmt die eigene Ausstellungshistorie zum Anlass, um 100 Jahre nach der Gedächtnis-Ausstellung zu Ehren des Künstlers August Macke eine umfassende Retrospektive des bedeutenden deutschen Expressionisten zu zeigen. 

August Macke, Seiltänzer, 1914, Kunstmuseum Bonn. Foto: Reni Hansen, Kunstmuseum Bonn

Wiesbaden 1920: Zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs und zu Beginn der goldenen Zwanzigerjahre wird im Museum Wiesbaden eine Wanderausstellung mit den zahlreichen Werken des Künstlers August Macke gezeigt, die seine Ehefrau Elisabeth Gerhardt (1888–1978) ihm zu Ehren organisierte. Jetzt findet eine Wiederholung statt. »Unsere Ausstellung zeigt den weltberühm- ten Lichtmaler aus dem Kreis des Blauen Reiters. Wie kaum ein anderer Künstler seiner Zeit«, so der Kurator Roman Zieglgänsberger, »verstand es August Macke, in seinen lichtdurchfluteten optimis- tischen Bildern noch einmal das irdische Paradies wie in einem Schnappschuss festzuhalten, bevor es mit dem Ausbruch des Ers- ten Weltkriegs infrage gestellt war. Macke selbst war eines der ersten Opfer dieser Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts.« 

Macke fiel am 26. September 1914 in Perthes-les-Hurlus. Zuvor hatte er im Frühjahr noch zusammen mit den Kollegen Paul Klee und Louis Moilliet eine Reise nach Tunis unternommen, die seine zahlreichen Werke, die noch vor Kriegsausbruch entstanden, prägte. Diese Reise initiierte seine wichtigste Schaffensperiode, in der er es wie kein Zweiter verstand, durch Form und Farbe das Licht auf der Leinwand festzuhalten. 

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»Bei mir ist Arbeiten ein Durchfreuen der Natur,
der Sonnenglut und der Bäume, Sträucher, Menschen, Tiere, Blumen und Töpfe, Tische und Stühle, Berge, Wasser beschienenen Werdens.«

August Macke an Hans Thuar, 1910

Mit seiner sinnlichen Farbgewalt beeindruckt Macke die Betrachter seiner Arbeiten. Sie zeigen Szenerien von idyllischen Parklandschaften, buntes Treiben auf Jahrmärkten oder exotische Stadtlandschaften mit Moscheen, Basaren und Caféhäusern. Gemälde, die eine Welt mit vollkommen positiver Ausstrahlung schildern und die so real wie erfunden zugleich wirken. Auch deshalb wird seinen Bildern ein paradiesisch anmutender Charakter zugeschrieben. 

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In nur zehn Jahren schuf Macke über 10.000 Zeichnungen, 500 Gemälde und ebenso viele Aquarelle. Von ersten Versuchen in Richtung eines impulsiven Impressionismus bis zu den Werken, die im Rahmen seiner Zugehörigkeit zur Künstlergruppe Blauer Reiter entstanden, zeigt die Retrospektive ›Paradies! Paradies?‹ im Museum Wiesbaden jetzt das Œuvre des Künstlers. Anhand ausgewählter Werke aus seinen Schaffensphasen wird die Entwicklung Mackes demonstriert, und es wird für jeden Besucher deutlich, wie richtungsweisend dieser Meister des expressionistischen Lichts für die Kunst der Moderne war. 

 

August Macke 
Paradies! Paradies?
30. Oktober 2020 bis 14. Februar 2021 

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Museum Wiesbaden

Friedrich-Ebert-Allee 2,
65185 Wiesbaden

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