Making Crises Visible

Seit Anfang Mai ist das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt wieder für Besucher geöffnet. 

Kriege, Krisen und Konflikte beherrschen die Nachrichten, die uns tagtäglich erreichen. Die Sonderausstellung ›Making Crises Visible‹ im Senckenberg Naturmuseum lädt ein, auf diese Situation nicht ratlos, sondern aktiv zu reagieren. Noch bis zum 12. Juni läuft die aktuelle Sonderausstellung. 

Senckenberg Naturmuseum

Im Fokus steht die Begegnung von Kunst, Design und Wissenschaft. Mit diesem Dreiklang eröffnet ›Making Crises Visible‹ neue Blickwinkel auf aktuelle Themen wie Migration, Klimawandel oder Radikalisierung. Studierende der Hochschule für Gestaltung in Offenbach demonstrieren in 50 Arbeiten ihre Beschäftigung mit wissenschaftlichen Studien des Leibniz- Forschungsverbunds ›Krisen einer globalisierten Welt‹. Um den Stumpf des Mammutbaums in der Botanik-Dauerausstellung des Senckenberg Naturmuseums wachsen fiktive Reispflanzen: etwa neue, genmanipulierte Arten, die vielleicht die Ressourcenknappheit künftig lindern werden. Ein 16 m2 großer Teppich zeigt den beengten Grundriss einer typischen Flüchtlingsunterkunft und wie die Menschen darauf leben. Im Obergeschoss wuchert ein Korallenriff aus Plastikverpackungen in den Raum. 30 Menschenrechtsartikel, gedruckt auf eine Rettungsfolie, kleiden den Ausstellungsraum zur Menschwerdung mit dem Exponat der berühmten Urmenschendame Lucy aus. Wie der sprichwörtliche rote Faden überformen rote Flächen diese und viele weitere Kunstwerke, die in den letzten zwei Semestern von den Studierenden erarbeitet wurden. Gemeinsam mit den ForscherInnen des Leibniz-Forschungsverbunds ›Krisen einer globalisierten Welt‹ und des Forschungsverbunds ›Normative Orders‹ entwickelten die jungen Talente kreative Ideen für die Visualisierung von unumstößlichen Forschungsergebnissen. »Das Resultat sind außergewöhnliche, unbedingt sehenswerte Arbeiten«, betont auch Prof. Dr. Nicole Deitelhoff vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK). 

Wissenschaft ist relevant für die Gesellschaft – so bildungsungewohnt diese sich heute manchmal gibt –, aber häufig liegt es an der Komplexität oder Abstraktion, dass sie nicht mehr zu begreifen ist. Die Sichtbarkeit ihrer Ergebnisse und Forderungen ist daher Hauptanliegen der Sonderausstellung. Wie kann man die Erforschung von Krisen, Kriegen und Konflikten überhaupt bildhaft transportieren? Das Projekt ›Making Crises Visible‹ hat diesen Versuch gewagt. »Die Verbindung von Wissenschaft, Kunst und Gestaltung bietet ein außergewöhnliches Potenzial, durch das wir aktiv einen Dialog über Themen von globaler Bedeutung anregen wollen. In einer sich wandelnden Gesellschaft stellen wir unseren BesucherInnen wissenschaftliche Fakten und künstlerische Inspirationen bereit, um neue Wege der Interaktion und des Austauschs im Museum anzustoßen. Das ist die Basis, um unsere Zukunft gemeinsam aktiv zu gestalten, und das unter- stützen wir sehr gerne«, erklärt Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Leiterin des Senckenberg-Programms Wissenschaft und Gesellschaft. Und Prof. Klaus Hesse von der Hochschule für Gestaltung Offenbach sekundiert ihr: »Zu Forschungsbereichen wie Ressourcenknappheit, Radikalisierung, Umweltkrisen, dem Anthropozän und seinen Folgen, den Krisen der liberalen Weltordnung oder Krisen internationaler Normen sind Plakate, Objekte, Filme und Installationen entstanden, die das Publikum auf unerwartete Weise ansprechen.« 

Die künstlerische Auseinandersetzung mit den Forschungsprojekten soll auch ein Bewusstsein für die nicht nur lähmende, sondern auch aktivierende Kraft von Krisen schaffen. »Krisen sind nicht nur die reine Zuspitzung eines Problems, sondern ein Transformationsprozess mit immensem kreativem Potenzial«, so Deitelhoff. VivArt legt den Besuch dieser ›Documenta des Krisenbegriffs‹ unbedingt ans Herz: eine wichtige Schau, die uns trotz der bedrückenden Thematik auch hoffen lässt und uns vielfach bereichert! 

 

https://makingcrisesvisible.com 

https://museumfrankfurt.senckenberg.de 

 

 

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