Hybrid zwischen Skulpturenpark, Ausstellungsparcours und Intervention

Das Ausstellungsprojekt ›tinyBE‹ vereint im Sommer 2021 neun temporär bewohnbare Skulpturen von international tätigen Künstler:innen unter freiem Himmel im Rhein-Main-Gebiet. Von Julia Cloot.

visualisation of MY-CO-SPACE by MY-CO-X, Sci-Art Collective tinyBE #1 Metzlerpark Frankfurt, © Sven Pfeiffer, MY-CO-X

 

Seit einigen Jahren macht die Not auf dem Wohnungsmarkt erfinderisch: Fantasievolle Konzepte für minimalistisches Wohnen auf kleinen Flächen sollen Landflucht, steigende Bevölkerungszahlen und hohe Immobilienpreise nicht nur abmildern, sondern echte Alternativen bieten: ›tiny houses‹ sind inzwischen in aller Munde und Labore für zeitgenössische Architektur und zukunftsweisendes Design. Im Sommer 2021 wird das Konzept des kleinräumigen Wohnens in die Bildende Kunst hinein ausgeweitet und im urbanen öffentlichen Raum sichtbar gemacht. Begehbare künstlerische Skulpturen werden an drei Orten im Rhein-Main-Gebiet zu sehen sein: am Hessischen Landesmuseum in Darmstadt, im Metzlerpark in Frankfurt und auf dem Kranzplatz in Wiesbaden. Gestaltet werden die Arbeiten von den Künstler:innen und Kollektiven Onur Göjkmen, Christian Jankowski, der Fluxus-Künstlerin Alison Knowles, Terence Koh, My-CO-X / Sci-Art Kollektiv, Laure Prouvost, Mia Eve Rollow & Caleb Duarte, Sterling Ruby, Thomas Schütte und Charlotte Posenenske (tinyBE Extra).

 

 

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Info-Box schneider+schumacher, Metzlerpark Frankfurt Foto: Josefine Rauch, © tinyBE

   

Im Projekt ›tinyBE‹ verbinden sich Experiment und Vision, gesellschaftspolitische mit künstlerischen Überlegungen: Wie wollen oder können wir morgen leben, und wie sehen zeitgenössische Formate für die Kunst aus? Um den interdisziplinären Austausch über Fragestellungen eines nachhaltigen Lebens und eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Ressourcen zu fördern, werden an sogenannten ›tinyMONDAYS‹ Architekt:innen, Künstler:innen und Wissenschaftler:innen zum Gespräch gebeten. Dies alles findet ebenfalls im Freien statt und ist damit auch unter den aktuellen Bedingungen durchführbar. 

 

Neue Formate für die Kunst sind oft an den Schnittstellen der künstlerischen Sparten zum Alltag entstanden, wie die Arbeiten von Marina Abramovi aus dem 20. Jahrhundert zeigen, oder aktuelle ortsbezogene Konzepte von internationalen Performancekollektiven. Auch die ›livable sculptures‹ von ›tinyBE‹ sind nicht einfach nur zu besichtigen wie Kunstobjekte, sondern die Besucher:innen können in ihnen auf bequemen Betten übernachten und sie damit temporär bewohnen. Die Kurator:innen von ›tinyBE‹, Cornelia Saalfrank und Katrin Lewinsky nennen ihre Arbeit einen »einzigartigen Hybrid zwischen Skulpturenpark, Ausstellungsparcours und Intervention im öffentlichen Raum«. Solcherart innovative, spartenübergreifende Projekte auch in urbanen oder ländlichen Räumen hat der Kulturfonds Frankfurt RheinMain in den letzten Jahren verstärkt gefördert und damit zur Entwicklung neuer künstlerischer Formate beigetragen. Meist wurden mit diesen Projekten gleich mehrere Orte im Rhein-Main- Gebiet bespielt. Die Vereinzelung, die pandemiebedingt seit über einem Jahr unser Dasein bestimmt – hier wird sie zur Basis für ein künstlerisches Erlebnis, das zwar ein individuelles bleibt, sich aber im Verbund mit den Erfahrungen der mitwohnenden Besucher:innen zu einem kollektiven Erlebnis einer utopischen Zukunft vereint.

   

»Innovativ und spartenübergreifend: Kunst im öffentlichen Raum.«

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Alison Knowles: The House of Dust (1970), Cal Arts, Valencia, California, © Alison Knowles and James Fuentes, NY
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tinyBE

Kranzplatz,
65183 Wiesbaden
26. Juni bis 26. September 2021

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