fatal genial

Das Stadtmuseum Wiesbaden beleuchtet erstmals die Entwicklung und Bedeutung des Verpackungsdesigns Ludwig Hohlweins (1874–1949), mit dem er Marken- und Werbegeschichte schrieb. Mit zahlreichen Exponaten, vor allem aus der Sammlung des Kurators Hans-Georg Böcher, erinnert die Ausstellung fatal genial an eine Künstlerpersönlichkeit, die viele Widersprüche in sich vereint. Eine Sonderausstellung im sam – Stadtmuseum am Markt Wiesbaden vom 1. Dezember 2020 bis 11. April 2021!

Abb.: Herbst in Wiesbaden. Plakat, um 1930, Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden.

 

Seine Kindheit und Jugend verbrachte Ludwig Hohlwein in seiner Geburtsstadt Wiesbaden, der er zeitlebens verbunden blieb. Zu seinen hiesigen Kunden gehörten etwa der Kunstsalon Banger (vor 1898), das Kunstgewerbehaus Wollweber (1908), die Zigarettenfabrik Menes (vor 1915), das Strumpfhaus Poulet (1924) oder die Firma Arwies-Schokoladen (um 1925).

Seit 1899 lebte Hohlwein in München, das er von seiner Zeit als Architekturstudent an der Technischen Hochschule her kannte. Mit seinen Werbeplakaten für Geschäfte, Luxuswaren und Tourismus im Spannungsfeld von Jugendstil und Art Déco war der vielseitige Künstler bald weltweit erfolgreich. In München beherrschte Hohlwein den Markt sogar derart, dass sich hier die Künstlergruppe der Sechs zusammenschloss – in der Hoffnung, gemeinschaftlich eine stärkere Konkurrenz aufbieten zu können.

Zählte die Gestaltung von Werbemitteln damals noch als Gebrauchskunst, so stufte Hohlwein seine Werke schon früh als der hohen Kunst zugehörig ein und signierte sie. Das internationale Ansehen, der offen ausgelebte Wohlstand und die Starallüren Hohlweins animierten Künstlerkollegen dazu, seinen Stil und seine Signatur so zu verwenden, dass die Grenze zwischen Kopie und Fälschung bald überschritten wurde.

Die formal stark reduzierten Frühwerke Hohlweins bilden noch heute Ikonen der Markengeschichte. Indem er schon vor 1933 seine Kunst auch in den Dienst faschistischer Propaganda stellte – so z.B. bei Werbung für den Stahlhelm, Bund der deutschen Frontsoldaten und später im Rahmen der Olympischen Winterspiele 1936 – provoziert der Blick auf Hohlweins steile Karriere jedoch einen bitteren Beigeschmack.

 

RIQUET. Blechdose für Schokolade-Pralinen, um 1920–1925, Designsammlung Hans-Georg Böcher / Bad Schwalbach.

LH – L.HOHLWEIN Zigarette. Kappenschachtel, um 1925, Designsammlung Hans-Georg Böcher / Bad Schwalbach.

UND DU? Werbepostkarte für den Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, 1929, Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden.

 

Text: sam - Stadtmuseum am Markt

 

>> Aufgrund der aktuellen Covid-19 Beschränkungen bleibt das Museum vom 03.11. bis voraussichtlich 30.11.2020 geschlossen. <<

 

Begleitprogramm

Markenikonen im 21. Jahrhundert – Das widersprüchliche Erbe des Star-Designers Ludwig Hohlwein aus Wiesbaden

Dienstag, 26. Januar, 18.30 Uhr

Virtuelle Diskussion mit Experten aus der Hochschule RheinMain und dem Kurator der Ausstellung zur Relevanz des Wirkens von Ludwig Hohlwein (1874—1949) für die Markenwelt von heute:

Prof. Dr. Dennis Albert, Professor für Marketing Management

Prof. Dr. Theo Steiner, Professor für Designtheorie

Hans-Georg Böcher, Kurator der Hohlwein-Ausstellung und geschäftsführender Vorstand Deutsches Verpackungsmuseum, Heidelberg

Moderator: Prof. Dr. Dr. Alexander Moutchnik, Professor für Medienwirtschaft und Medienökonomie, Hochschule RheinMain

Anmeldung zur Veranstaltung über www.hs-rm.de/impact

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sam - Stadtmuseum am Markt

Marktplatz,
65183 Wiesbaden

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