Embrace Yourself

Seit über 25 Jahren steht das Modelabel Anja Gockel für individuelle Mode made in Germany. Miriam Becker sprach mit der Modemacherin aus Mainz über Schönheit. 

 

Foto: Paul-Henri-Pesquet

Wann finden Sie Frauen schön? 

Wenn sie ihre Weiblichkeit in den Mittelpunkt stellen, authentisch und mutig sind. 

Ihre Mode unterstreicht Weiblichkeit, ist zugleich nachhaltig. Hat das auch mit Schönheit zu tun?
Unbedingt. Ein Kleidungsstück, das auf Ausbeutung basiert, kann bestenfalls ganz hübsch sein. Tragbar oder gar schön kann ich so etwas nicht finden. Gerade jetzt sollten wir den Mut haben, Werte klar zu definieren und in Kunst und Kultur Zeichen zu setzen. Mode, also das, was wir täglich an uns tragen, ist eine elementare Ausdrucksform. 

Sie haben Mode und Design in Hamburg und London studiert. Warum? 

Ich finde, wir sind in Deutschland so pragmatisch, oft sogar geizig. Andere Kulturen feiern das Opulente, das Leben, Frauen wie Männer treten extravagant und souverän auf. Bei uns wird das Besondere als oberflächlich abgetan, oft mit Neid betrachtet. Diese Gleichmacherei schneidet oben und unten ab, bringt eine Gesellschaft dazu, mittelmäßig zu sein. 

 

 

»Gleichmacherei schneidet oben und unten ab, bringt eine Gesellschaft dazu, mittelmäßig zu sein.«

Anja Gockel

Foto: Christop Kassette

Ich bin früher oft mit einem, wie ich fand, toll zusammengestellten Outfit in die Schule gegangen, das fanden gerade andere Mädchen oberflächlich ...
Ich wollte schon immer Mode für Frauen machen, die sich trauen, sich zu zeigen, wie sie sind. Das Thema ›Wie sehe ich mich selbst?‹ zieht sich ja durchs ganze Leben, beruflich wie privat. Einige meiner besten Kundinnen sind älter und haben keine perfekte Figur im Sinne unserer Schönheitsideale. Dafür sind sie aber so selbstbewusst, dass sie sich da- mit nicht mehr herumärgern, sondern Freude an tollen Farben, Schnitten und Stoffen haben. Meine Stücke sind Unikate, nachhaltig und hier gefertigt. Das ist vielen Frauen heute wichtig, nicht, was andere über sie sagen. 

Es heißt, dass man ab 30 für sein Gesicht selbst verantwortlich sei ... 

Stimmt. Wenn die äußere Hülle verfällt, kommt raus, was man in sich trägt. Sinn für Ästhetik und Würde gehören zum Letzten, was viele Menschen verlässt, auch wenn sie vieles andere schon vergessen haben oder unwichtig finden. 

Sie haben Auszeichnungen als Designerin, aber auch als Unternehmerin erhalten. Wie wichtig ist Ihnen das?
Sehr. In meiner Generation sind Unternehmerinnen die Ausnahme. Es ist wichtig, sich zusammenzutun, um etwas bewegen zu können. Egal, ob im eigenen Geschäft, in der Stadt oder in internationalen Bündnis- sen. Daraus sind tolle Ideen, Geschäfte und Freundschaften entstanden. 

Ihre Ideale haben zwangsläufig auch die Winterkollektion geprägt, in der sehr unterschiedliche Stoffe und Muster kombiniert wurden. Sie heißt Embraceland, was bedeutet das?
Die Kollektion vereint scheinbare Gegensätze, wobei jeder Stoff sein Eigenleben haben darf. Das gilt genauso für unser Zusammenleben. Wo immer es gelingt, im Einklang mit sich selbst und mit anderen zu leben, herrscht in meinen Augen Schönheit. 

 

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Anja Gockel Mainz

Am Judensand 59e
,
55122 Mainz
  • Mo-Fr 10–18
  • Sa 10–16

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