Diversity

Am 19. Oktober 2020 öffnete die Ausstellung ›diversity‹ der Fotografin Vero Bielinski im Ausstellungsraum ›Heussenstamm‹ in Frankfurt für wenige Tage. Die Bad Homburgerin zeigt Fotografien aus zwei Langzeitprojekten ›Diversity‹ und ›Genderqueer‹, die mit Gender-Klischees und festgefahrenen Rollenbildern aufräumen. VivArt hat sich mit Vero Bielinski getroffen und über ihre Arbeit gesprochen.

 

Electra Pain - eine der bekanntesten Frankfurter Drag Queens.
Sie begeistert nicht nur auf Showbühnen, sondern ist auch auf der Social Media Plattform TikTok ein Star. Fotos: Vero Bielinski

Bunt, vielfältig und vielschichtig. So zeigen Sie unsere Gesellschaft in Ihrer aktuellen Ausstellung. Was war der Auslöser für dieses Projekt? 

Der Impuls für das Thema Diversity entstand als ich in der Modebranche den Trend der Androgynität bemerkte. Ich lasse mich gerne von der Modewelt und dem gesellschaftlichen Wandel inspirieren. Die LGBTQ - Szene rückte mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Somit begann ich mich damit zu beschäftigen, da ich bis dahin noch nicht viel über bspw. non-binäre Menschen wusste. 2016 begann ich dann das Projekt, um die Sichtbarkeit der Szene zu stärken und somit Diskrimierung entgegenzutreten.

 

Wer sind die Charaktere auf Ihren Fotos? 

Hauptsächlich habe ich nach Aktivisten und Vorbildern gesucht, die sich für mehr LGBTQ Rechte einsetzen. Jacob Tobia, zum Beispiel, ist eine US-amerikanische TV- Persönlichkeit, LGBTQ-Aktivist*in,  Autor*in und Fernsehmoderator*in. Jacob benutzt das gender neutrale Pronomen „they“ anstatt „he“ oder „she“.  Stella Novella ist eine berühmte Bearded Drag aus New York City. Stella liebt das Spiel mit Maskulinität und Feminität. Michelle ist Gastgeber*in der Michelle Meow Show im Radio und TV. Michelle ist eine führende Stimme für die LGBTQ Community in der San Francisco Bay Area und ist die Präsident*in der San Francisco Pride. Für das Projekt habe ich in New York, San Francisco, Oakland, Berlin und Frankfurt nach meinen Protagonisten gesucht und gefunden.

Neben dem Genderqueer Projekt zeigt die Ausstellung kreative Modefotografie zum Thema Diversity, die in Kooperation mit dem Frankfurter Modelabel 'leonidmatthias' entstand. 

Stella Novella ist eine berühmte Bearded Drag aus New York City.
Sie liebt das Spiel mit Maskulinität und Feminität.

Was kann Fotografie zu einer Auseinandersetzung mit der LGBTQ-Szene beitragen?

Fotografie kann eine Verständnislücke füllen, um Diskrimierung, die zurzeit extrem zu spüren ist, entgegenzutreten. Bildung und Bewusstsein sind ein wichtiger Faktor. Denn je mehr Präsenz eine Bewegung hat, desto mehr wird diese akzeptiert.

Wie sehen Sie die öffentliche Wahrnehmung der LGBTQ-Szene in Deutschland? Haben Sie eine gesellschaftliche Veränderung in den letzten Jahren wahrgenommen?

Die öffentliche Wahrnehmung der LGBTQ-Szene in Deutschland ist in Ordnung, aber definitiv verbesserungswürdig. Dadurch, dass die LGBTQ Szenen in den letzten Jahren medial sehr präsent geworden sind, hat sich die Gesellschaft mehr geöffnet. 

 

 

 

Ausstellungsansicht
Ausstellungsansicht
Ausstellungsansicht

Und zuletzt, wie kamen Sie zur Fotografie? 

 Schon als Kind hatten meine Schwester und ich großes Interesse entwickelt, Fotos zu schießen und Filme zu drehen.Wir haben uns schlichtweg an den Kameras meines Vaters bedient und damit Kreatives geschaffen. Nicht zu vergessen, das war alles noch analog! Diese Leidenschaft hält bis heute an. Meine Schwester Joanna Bielinski ist Filmregisseurin und ich bin Fotokünstlerin von Beruf. 

Vielen Dank für das Gespräch, Vero Bielinski!

 

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Heussenstamm

Brauchbachstraße 34,
60311 Frankfurt am Main

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