Die Häuser der Yoruba

›Ile‹ bedeutet ›Haus‹ in der Sprache der westafrikanischen Volksgruppe der Yoruba. Die gebürtige Wiesbadener Architektin Sabine Wittmann ist in Lagos aufgewachsen und die nigerianischen Lehmhäuser dienen ihr bis heute als Vorbild für ihr kreatives Schaffen. In einem der ältesten Häuser Wiesbadens hat sie jetzt ihr Atelier ›Ile 22‹ eröffnet. 

Fotos: Jason Sellers

Sabine Wittmann ist viel in der Welt herumgekommen, bevor es sie wieder in ihre Heimatstadt zog. Betrachtet man ihren Lebenslauf, der von der Architektur wie ein roter Faden durchzogen wird, ist es nur konsequent, dass sie ihr Atelier nun in einem ganz besonderen Haus in Wiesbaden eröffnet. Die Nummer 22 in der Nerostraße ist eines der ältesten Häuser der Stadt und architektonisch bezeichnend für das Bergkirchenviertel. 2019 begann das Unterfangen, das über 200 Jahre alte Fachwerkhaus Balken für Balken sorgsam abzubauen und wieder zu errichten. Eines der wohl aufwendigsten Sanierungsprojekte in der Landeshauptstadt überhaupt. Das gesamte Haus verschwand zeit- weise und die Baulücke erschreckte manche Eingesessene. Heute erstrahlt das denkmalgeschützte Gebäude im alten Glanz und mit neuer Statik. In mühevoller Detailarbeit waren die originalen Balken geborgen und fachgerecht begutachtet worden. Alle erhaltbaren Balken sind wieder zurück am Platz und die Fassade ist im Originalzustand wiederaufgebaut worden. Im Erdgeschoss blickt man nun durch ein einladendes Fenster in das neue Atelier ›Ile 22‹. Die entzückende Werkstatt passt ideal zu der geretteten Bausubstanz. Die Fenster und Türen sowie der Boden und die Wandregale sind aus Vollholz ausgeführt, was der Werkstattgalerie eine warme, angenehme Atmosphäre verleiht. Man spürt sofort, dass hier großer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird. 

An diesem besonderen Ort arbeitet Sabine Wittmann an ihrer Tonkunst und stellt ihre Werke gern auch mit anderen Künstler*innen gemeinsam aus. »Mit der Töpferei und auch Malerei begann ich schon als Kind in Nigeria. Mit beiden Disziplinen habe ich mich schon immer intensiv beschäftigt und während meiner Studienzeit in Berlin hatte ich meine erste Ausstellung. In den Jahren danach trat die Kunst auch mal in den Hintergrund, aber seit einiger Zeit nimmt sie wieder mehr und mehr Raum in meinem Leben ein«, erklärt sie uns. 

 

Jason Sellers
Jason Sellers
Jason Sellers

Die Häuser und Hütten, die Sabine Wittmann aus ihrer Kindheit in Nigeria kennt, bestanden damals noch überwiegend aus Lehm. So kam sie zu ihrem naheliegenden künstlerischen Material und auch heute noch ist Ton Hauptbestandteil ihrer künstlerischen Arbeit, ob als gezeichnetes Motiv der ›Iles‹ oder plastisch ausgeführt in ihren getöpferten Werken. Zu den vielen Iles ihrer Skulpturenkollektion gesellten sich in den letzten Jahren Männer mit Hut, Frauen mit Dutt und Skulpturen, die es nicht so genau nehmen. Es gibt Schalen, Tassen und Vasen und viele andere Fröhlichkeiten. Auch Auftragsarbeiten fertigt Sabine Wittmann mit Begeisterung. Gearbeitet wird ausschließlich mit Tonen aus dem Westerwald und mit in Deutschland hergestellten, schadstofffreien Glasuren. Ton ist für die Architektin und Künstlerin ein ganz besonderes Material, da es ein reines Naturprodukt ist. Auch weiß Sabine Wittmann, dass uns die Arbeit mit Ton im wahrsten Sinne des Wortes erdet – schließlich handelt es sich beim Töpfern um eines der ältesten Handwerke der Menschheitsgeschichte! 

Jason Sellers
Jason Sellers
Jason Sellers
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Ile 22

Nerostraße 22,
65183 Wiesbaden

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