Abaci

Cem Mustafa Abaci macht Frankfurts Männer schöner. Seit Jahren steht sein Name für guten Geschmack und besonderen Stil. Nun hat er für sich und seine Mode ein neues Zuhause gefunden. Die Alte Rothofstraße 9 wird künftig zum Ort seines Schaffens. Dirk Becker im Gespräch mit einem Mann, der unermüdlich das seine tut und en passant die Welt jeden Tag ein wenig hübscher macht. 

Senckenberg Naturmuseum

3 Jahre, 3 Adressen: Herr Abaci, wie schaffen Sie das alles? Inspiration, Mode, Umzüge und Geschäft zu verbinden und dabei nicht verrückt zu werden?
Ich wollte mich in Anbetracht der damals gegebenen Möglichkeiten an Einzelhandelsflächen nicht langfristig binden, ich war nicht überzeugt. Daher habe ich es vorgezogen, entweder adäquat zu überbrücken oder sogar eventuell ganz aufzuhören oder zumindest mal eine Pause einzulegen. Not kann aber auch ein sehr guter Kreativmotor sein. Und der Prozess des Erschaffens ist mein Motor und macht mir Freude. In dieser Situation war eine andere Art der Kreativität gefragt. Mit den Karten zu spielen, die man hat: mit den bestehenden Zutaten Räume neu zu planen. Also kurzfristige Kollektionen, weniger Experimente, schlaflose Nächte. Entschlossenheit ist eine starke Kraft. Am Ende hat sich das Sprichwort ›Geduld ist der Schlüssel zur Freude‹ bestätigt. Im Nachhinein war das eine 

sehr interessante Story. Wir sind quasi einmal um den Block gezogen, haben somit alle Ecken in unserem Quartier bespielt und sind nun quasi wieder zu Hause angekommen, nur eine Ecke weiter zur legendären Junghofstr. 14, wo wir zwölf Jahre lang waren. Hier haben wir nun eine fantastische Fläche, so wie ich sie mir wünschte, von Brioni ›geerbt‹. 

Frankfurt gilt nicht in den Köpfen der Allgemeinheit unbedingt als Modestadt. Welche Köpfe kommen zu Ihnen und warum? In erster Linie Individualisten mit einem Hang für schöne State-of- the-Art-Produkte, eben Liebhaber, Connaisseure der entspannten Eleganz. Oft stehen sie in der Öffentlichkeit. Sie lieben schöne und zugleich sinnvolle, praktische Details, die den Alltag erleichtern und zusätzlich ihre Individualität unterstreichen. Sie fallen lieber auf subtile elegante Weise auf, durch Strahlkraft und besondere Ästhetik. Wir sprechen Gentlemen an, die eine Alternative zur herkömmlichen Klassik, jenseits des Mainstreams suchen. Der bevorzugte Look ist modern, stylish und zugleich klassisch, weder modisch noch konservativ. Die goldene Mitte verstehen sie als das, was als Klasse gilt. Viele schätzen zudem, dass sie Garderobe für alle Anlässe in einem Geschäft finden; eine Anlaufstelle, die alle Wünsche erfüllt, auch, wenn das Produkt so nicht vorhanden ist. Aber wir bedienen auch ›Shopping Muffel‹, die gar nicht so gerne rumschlendern, sondern Zeit sparen wollen. Meistens haben unsere Kunden wenig Zeit. Ebenso sind die Damen ein wichtiger Faktor. Ladys, die sich gern mit ihrem Partner in der Öffentlichkeit zeigen und dabei einen modernen Mann mit Stil neben sich sehen möchten. Also weder, der den Konventionen folgt, noch ein ›Fashion-Victim‹. 

Sie verkaufen mehr als Maßmode und Kollektionen. Sie verkörpern einen Stil. Wie wichtig ist Ihnen das?
Für mich ist das quasi eine Mission, meine Berufung! Ich interessiere mich seit meiner Kindheit für Design, Musik, Philosophie. Stil bedeutet, einen roten Faden zu haben, eine ›Identität‹. Es bedeutet, sich treu zu bleiben, authentisch zu sein und Konventionen zu hinterfragen, den Geschmack und die Sinne zu kultivieren und sich immer weiter zu entwickeln und zu entfalten. Kurz, dem Wahren, Schönen und Guten zu folgen und es in die Welt zu bringen. 

Von unternehmerischer Seite ist die Handschrift ein sehr wichtiges USP. Der Trend der Maßkonfektion hat viele Ketten und Quereinstei- ger als neues lukratives Geschäftsmodell in den Männermodemarkt gebracht. Der Frankfurter Markt ist durch seine Positionierung als Bankenmetropole daher extrem gesättigt. So ist jeder hochwertig, individuell etc. Selbstverständlich gibt es gravierende Unterschiede, jedoch machen die geschäftsorientierten Unternehmen mittler- weile auch einen guten Job in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis. Früher war ein individuell angefertigtes Produkt quasi unbezahlbar und nur Wohlhabenderen zugänglich. Zudem ist Individualität ja ein Trend in allen Märkten: das Konto, das Auto, die Versicherung — alles nach Maß, zumindest individualisiert. Am Ende bleibt die Handschrift das Alleinstellungsmerkmal. Geben Sie zehn Köchen die gleichen Zutaten, jedes Gericht wird trotzdem anders schmecken. Das ist am Ende der Unterschied zwischen einem authentischen Designer und einem reinen Geschäftskonzept 

Sie sind lange im Modegeschäft, das für seinen harten Wettbewerb bekannt ist. Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?
Aus meinem Leben, das sich dem Wahren, Schönen, Guten verpflichtet. Alles, was ich wahrnehme, kann mich inspirieren. Ich entwerfe keine Fantasieprodukte. Sie stehen immer in Bezug zum wahren Leben, sie sind also tragbar und verbinden stets Ästhetik in Form und Funktion. Das Hinterfragen von Konventionen und Narrativen ist auch eine Inspirationsquelle für mich. Daraus ergeben sich neue sinnvolle, dann sinnliche Designs. In meinem bisherigen Leben habe ich die Trends vorab gespürt. Das war auch der Auslöser vor 30 Jahren für meine Entscheidung, in die Modebranche zu gehen. Ich wollte Dinge haben, die es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab. Daher habe ich sie mir selbst gemacht. Ein, zwei Jahre später sah man dann etwa diese Kragenformen und andere Trends in den Geschäften. Bis heute sind meine Antennen auf der Suche nach unkonventioneller Schönheit. Und wenn ich sie erkenne, ist es wie ein inneres Bejahen. 

Ihr Freigeist und die Suche nach Individualität bei den Kunden schafft besondere Momente. Was bleibt Ihnen als besonderes Moment für immer in Erinnerung?
Ganz besonders berührt haben mich Aussagen wie: ›Du hast mein Leben verändert!‹ Oder: ›Ich fühle mich wertvoller, die anderen kommunizieren jetzt ganz anders mit mir!‹ 

Herr Abaci, wir wünschen Ihnen alles Gute an der neuen Adresse! 

abaci.de

 

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