Wormser Soundkeller

Markus Keller macht Druck. Er will was reißen. Verleiht der alten Kaiserstadt einen ganz eigenen Sound. Mit voller Schubkraft aus Lagrein, Zinfandel, Grünem Veltliner und Syrah.

Markus Keller

Es gibt nur wenige Typen wie ihn. Offen, charakterstark, handfest. Und seine Weine schmecken auch so. Nicht so gestylt oder hingepfrutschelt, sondern warmherzig in der Frucht, geradeaus gespurt und mit Schmackes und Druck dabei – echte Typenweine eben. Und Markus Keller, Wormser Urgestein und Tausendsassa, beweist auch ein Händchen für Neues. Seine Frau ist Südtirolerin, und da verdankt er ihr indirekt seinen vielleicht besten Wein: den Lagrein aus dem St. Georgenberg in der ›Edition Theresia von Waldner‹. Dieses Unikat ist hoch prämiert, tiefgründig, druckvoll und geschliffen. Das Tannin ist so fein, dass ungehobelte Pendants – und gerade Lagrein neigt zum Rustikalen – mit ihrer penetranten Grobmotorik gleich draußen vor der Tür bleiben können. Nein, dieser Lagrein zeigt, wo es langgeht! Hat man sich einmal drauf eingelassen, gibt es kein Zurück mehr. Gewiss ist man nicht hoffnungslos verfallen, aber die Flasche ist schneller leer, als einem lieb ist. Zurück bleibt dieser unwiderstehliche Goût von 70-prozentiger Bitterschokolade am Gaumen, von zartem Mokka und fleischig-dunkler Beerenfrucht. Und erst diese kompakte Würze!

»Ein Wein mit Charme und jenem feinen Pfefferl, das uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert.«

Manfred Lüer

Zum Glück hat Markus noch den Lagrein ›R‹ aus dem Georgenberg parat. Von etwas jüngeren Reben, mit noch etwas mehr Frucht, mehr Kirsche, dazu auch günstiger zu haben. Quasi der Einstieg in den ›Sound-Keller‹. Dieser Wein lässt es nicht ganz so laut krachen, begeistert dafür mit mediterranem Schwung und einer Tiefe, die man in diesem Segment gar nicht vermutet. Aber wir sind schließlich auch im sagenumwobenen Worms, dessen epische Tradition sich mehr und mehr zur locker-lässigen Lebensart wandelt. Und beim Wein ist es vor allem Markus Keller, der den Ton angibt: Hier bekommt man zum einen in der Basis erstaunlich viel fürs Geld. Zum anderen rockt Markus die Stadt der Nibelungen mit ganz neuen, brandheißen Riffs, die durchaus auch hammerhart sein können. Etwa mit Zinfandel und Syrah aus dem Barrique, die einen knalligen Kontrapunkt setzen zu Mythen und Sagen. Den Syrah gibt es wie den Lagrein in der tiefergelegten Turboversion und als ganz normalen Stoff; eingedenk, dass bei Keller schon das Normale immer einen Hauch von Extravaganz hat. Doch für rund zehn Euro macht der ›R‹ aus dem Nonnenwingert aus dem X gar ein U. Schleudert stattdessen auch hier schon pfeffrige Würze an den Gaumen. Sanft pflaumige Süße, dunkle Beeren, Gewürze, Samt ... Punkt! In der ›Edition Theresia von Waldner‹ zeigt der Syrah noch mehr von seinem Druck und seine dunkle Seite. Wir steigen beim Trinken in die Tiefe hinab und wähnen uns zugleich in südlicheren Gefilden. Ein Wein, der richtig zulangt, auch mit richtig saftigem Duft.

Opulenter, aber auch geschmeidiger, schmeckt der Zinfandel, der mir etwas mehr Fett auf den Rippen zu haben scheint und diesen so köstlich-cremigen, ja zart-süßlichen Schmelz bietet. Eine Herausforderung ist hier die Reife, denn kalifornische ›Zins‹ mutieren schnell zu Kraftmeiern, deren Alkoholgehalt leicht überzieht. Zum Glück bietet Kellers Zin präzise definierte Kraft. Die Opulenz ist nicht zu weit getrieben, dafür strotzt der Wein vor Beerigkeit, Würze und Schmelz, nur eben ohne Dörrfrucht und massive Überreife: intensiv, voll und doch sanft. Wer nun meint, das wäre es schon mit Kellers Exotik gewesen, der irrt. Weit gefehlt! Mit dem Grünen Veltliner hat der Tausendsassa noch ein echtes Schmankerl parat. Diese Sorte scheint sich im milden Worms pudelwohl zu fühlen. Sie bekommt auf den doch oft schweren Böden genau jenen gesuchten Frischekick! Mit zart anklingender Exotik, gelbfleischiger Frucht und schwungvollem Schmelz, in den feine Säurespitzen eingearbeitet sind. Ein Wein mit Charme und jenem feinen Pfefferl, das uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ja, Worms hat uns in ›alten Maeren‹ wie dem Nibelungenlied gewiss viel zu erzählen, aber neue Stimmlagen gibt es auch. Machen Sie sich bereit für den neuen Keller-Sound aus Pfiffligheim!

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Weingut Keller

Landgrafenstraße 74–76,
67549 Worms-Pfiffligheim
, 06241 75562

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