Stefans Salzwein

Zum Glück gibt es Winzer wie Stefan Runkel. Bei ihm gibt es (noch) keine schicke Vinothek, kein piekfeines Schloss, dafür verdammt guten Wein! Und einen guten Typ dazu, der nicht hoch tönt, sondern auf Statur und Schmackes setzt und sich aufs Schürfen versteht. 

Stefans Salzwein

 

»Auf Gold kann man verzichten, nicht aber auf Salz.« Auf diese unumstößliche Weisheit des spätantiken Gelehrten Cassiodor vertraut auch Stefan Runkel. Man darf ihn sich geradezu in Bergmannskluft und mit Grubenlampe vorstellen, wie er in seinen ›Hundertgulden-Claim‹ hinabsteigt. Denn diesen gewissermaßen ›geschürften‹ Stollenwein erkennt man mit verbundenen Augen; die einzigartige Pikanterie des Hundertguldens ist das Salz in der Suppe. Die lauert in der Tiefe, stößt dann überraschend zu. Und Stefan hat ein echtes Faustpfand davon: alte, fast 40-jährige Reben. Ein immenser Wert, denn Wein von alten Reben ist noch vielschichtiger, ruht noch mehr in sich und zeigt eine kalibrierte Substanz, in der sich salzige, erdige und rauchige Noten der gelbfleischigen Frucht mitteilen. Dazu dieser unwiderstehliche Säurekick, vor allem im 2016er. Ein großer, aber noch völlig verkapselter Wein. Mit absolut moderatem Alkohol, dieser geht aber straight ahead to the heart! Gut so! Am besten dekantieren, ab ins große Burgunderglas damit und dann den kernigen Schmelz und die feste Säure genießen, an all die guten Mineralstoffe andocken. Ich liebe diese Art von diskreter Zurückhaltung, sowohl beim Wein als auch beim Winzer! 

Momentan schaut bei ihm auf dem Hof alles nach riesiger Baustelle aus, weil die Vinothek erst im Werden ist. Dafür serviert Runkel in der Straußwirtschaft Köstliches aus Küche und Keller. Darunter auch gereifte Weine, die zeigen, wie animierend saftig seine Weine noch im Alter geraten. Auch der Honigberg. Dieser ist nicht ganz so kalibriert und kantig, dafür aber elegant, delikat und voller Finesse; wie aus Frühlingsblumen gekeltert. Und ja, auch der Appenheimer Silvaner von ganz alten Reben gibt echten Kick. Dass diese Sorte erst spannend bei gradliniger Säure wird, meistert sein Silvaner souverän. ›Riesling auf dem See‹ ist das Pendant beim Ortswein, wo bei nur 11,5 Volumenprozent Alkohol das Spiel des Rieslings am Gaumen einfach nach noch mehr verlangt.

Stefans Salzwein
Stefans Salzwein
Stefans Salzwein

Doch in Runkels Brust schlagen zwei Herzen, einerseits für die Finesse in den Weißweinen, andererseits schätzt Runkel auch Druck und Power beim Roten. Der Appenheimer Pinot noir ist zum verblüffend kleinen Kurs echt underrated. Dunkel, rauchig, herzhaft, mit präsenter Würze und so griffigem, zart kühlem Tannin, dass die dunklen Früchte und das köstliche Cassis noch länger und authentischer schmecken. Die Frühburgunder hingegen sind noch fülliger, reifer und genau an die Grenze zur getrockneten Dörrfrucht gesetzt. Sehr warm, ausladend-duftend, mit röstigem Rückhalt und jeder Menge Power gesegnet. Hier geht Stefan auf volles Risiko, reizt raus, was nur rauszuholen ist. Aber all diese Weine haben noch genügend Frische und auch Gerbstoff vom Holz, um nicht überladen, zu opulent oder gar schwabbelig zu sein. Die haben Fleisch auf den Knochen, herrlichen Extrakt – und wirken einfach tiefenentspannt. Mehr davon! 

Stefan geht es eben noch ums echte Genießen, hier zahlt man nur für das, was wirklich im Glas ist. Und seien wir ehrlich: Wo bitte bekommt man solch herrliche Weine, teils von alten Reben und aus einer echten Spitzenlage, noch für solch kleines Geld? Stefans Salzwein 2016 hat eine echte Goldkante, aber seine Kunden berappen sie nicht. 

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Weingut Eberle-Runkel

Niedergasse 23,
55437 Appenheim,
, 06725 2810
Die Straußwirtschaft ist vom 10. Mai bis zum 9. September geöffnet. Freitags ab 18 Uhr, samstags ab 17 Uhr, sonntags und feiertags ab 16 Uhr.

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