Sommerfreude

Schloss Freudenberg gilt in Wiesbaden als eine jener Institutionen, ohne die es in der Landeshauptstadt wahrlich ein großes Stück weniger ›alternative‹ Kultur gäbe. Dabei war es ursprünglich das architektonische Prestigeobjekt schlechthin. Wer hier im Sommer verweilt, weiß sofort, warum der Bauherr 1904/05 bereit war, ein Vermögen dafür zu zahlen. Glück brachte es ihm damals nicht, dafür tut es das heute umso mehr! Miriam Becker über die Freude, die ein ungewöhnliches Schloss im Grün bringen kann.

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Auf Insekten-Exkursion mit Inox Kapell

Unkonventionell geht es im Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne und des Denkens zu: Hier wird barfuß gedacht. Und die Menschen – Gäste wie Mitarbeiter – beschäftigen sich mit recht ungewöhnlichen Fragen. Etwa: Wie eng ist das Gehen mit dem Denken verbunden, unsere Haltung mit unserer Handlung? Erforschen lässt sich das alles auf dem Barfußpfad. Man geht mit nackten Füßen durch Wald und Wiese, über Stock und Stein, entdeckt seinen Bewegungs-, seinen Gleichgewichts-, seinen Gefahrensinn. Und spürt, wie uns der Barfuß das (Quer)Denken lehrt. Das liest sich verrückter als es ist. Denn tatsächlich sind diese Fragen enger mit der tagtäglichen Realität verbunden, als wir es oft denken. Doch Freudenberg ist nicht nur ein Ort für Denker, sondern auch für Freigeister und Naturliebhaber. Für Menschen von 3 bis 103. Hier geht es um Menschenbildung, ums Wundern, ums Staunen, Spielen und Ergriffen-Sein. Es geht nicht um Wissen, nicht um Antworten. Es geht um die Erkundung der eigenen Wahrnehmung – mit allen Sinnen.

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Großer Spaß für kleine Gäste auf dem Barfussweg

»Auf Schloss Freudenberg geht es um Wissen, nicht um Antworten - ums Staunen, Spielen und Ergriffen-Sein.«

Die weit über 100 Erfahrungsfeldstationen in Park und Schloss Freudenberg sind Lebensstoff: Sie sind zu erleben. Berühren, ausprobieren und experimentieren sind ausdrücklich erwünscht – etwa im Klangraum, bei allen Stationen rund um Goethes Farbenlehre, auf der Taumelscheibe, an der Duftorgel nach Palmström, auf der Nepalschaukel, am Pendelstein, im Botanischen Theater …, in Dunkelgang und Dunkelbar, in der einmal im Monat ein ›Frühstück im Dunkeln‹ angeboten wird. Ein erhellendes Erlebnis auch und gerade in der ›hellen‹ Jahreszeit. Genauso wie ein Abend im Restaurant ›NachtMahl‹.

Seit Ostern brennt das obligatorische Freudenberger Feuer im Herzen der frisch gestalteten ›FeuerWerkStelle‹. Von Hochsitzen aus lassen sich Flammen und Glut jetzt aus einem neuen, einem anderen Blickwinkel betrachten. Selbstverständlich kann man nach wir vor auch ganz nah heranrücken, um die Kraft des Feuers zu spüren. Mitunter werden am Feuer Sagen und Märchen vorgelesen. Funken schlagen, Zunder geben und Feuerholz richten, können Gäste bei Feuerführungen, Feuerwerkstätten und Kindergeburtstagsfesten. Das mit Ruhe und Geduld gemeinsam entfachte Feuer spendet Wärme, Licht und Nahrung. Können Sie den Duft von frisch gebackenem Stockbrot oder gerade geröstetem Popcorn riechen?

Im Sommer gibt es ein vielfältiges Ferienprogramm; dazu zählen Insektenführungen, Tageswerkstätten ›Bogenschießen‹ und die Projektwoche ›Garten der Kinder‹. Vom 7. bis zum 11. August 2017 heißt es: Fünf Tage staunen – erleben – tätig sein. Säen, ernten, Zäune flechten. Zarte süße Erbsen, sonnenwarme Tomaten, duftenden Majoran pflückfrisch genießen. Und wenn es am Nachmittag zu heiß wird, legt man sich in den Schatten des Apfelbaums und schaut den Schmetterlingen zu.

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Anleitung zum Querdenken im Erfahrungsfeld der Sinne
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Gesellschaft Natur & Kunst gemeinnütziger e.V.

Schloss Freudenberg,
65201  Wiesbaden,
0611 4110141

Weitere Besonderheiten auf Schloss Freudenberg im Sommer:

ESEL-PROJEKT
Emil, Urmel und Janosch, drei Esel mittleren Alters, sind Mitte Mai in den Park von Schloss Freudenberg eingezogen – zur Pflege der Windharfenwiese und zur Erbauung von Mensch, Tier- und Pflanzenwelt. WALDKIOSK Elena und ihr Team haben das ›Kiosk‹ wiedereröffnet.Auf Russisch: Kio-osk – mit langem ›o‹. Und genauso schmeckt der Kaffee bei Elena: Als wäre er mit Wodka aufgegossen. Und für die Kinder gibt es hausgemachte Limo. Die heißt bei Elena ›Bienenschmaus‹.

DO3
Jeden 3. Donnerstag im Monat: ›Raus aus der Stadt. Rauf auf den Berg.‹ Ein neues gastronomisches Angebot. Immer ab 18 Uhr.

SCHLOSS-CAFÉ MIT SONNENTERRASSE
Kaffees – darunter Cold Drip, Tees, kühle Erfrischungsgetränke, Kuchen und Torten – mit Blick auf den Park.

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