Literatur: Fleisch – Eine Provokation

Fleisch – Eine Provokation

Schon der Untertitel, ›Eine Gesprächstherapie für Salatsklaven‹, verrät, dass dieses Buch eine schwere Kost wird, wenn es nicht als Satire verstanden werden soll. Doch die beiden freigiebigen Senioren, Werner D’Inka, Jahrgang 1954 und Rainer M. Gefeller, Jahrgang 1950, meinen es durchaus ernst mit ihrer Idee, ihre Leser am lustigen Umgang mit dem eigenen Fleischkonsum teilhaben zu lassen. Während an Deutschlands Esstischen angeblich ein Kulturkampf herrscht, in dem es darum geht, ob man Fleisch überhaupt noch verzehren darf, wird hier der Fleischeslust gefrönt. Die beiden Autoren werfen den Vegetariern genau das vor, was alte Männer jeder emanzipierten Frau entgegenspucken: üble Laune, Mangel an Hedonismus und an Heiterkeit. Werner D’Inka und Rainer M. Gefeller erzählen also ihre Geschichten vom fröhlichen Fleischkonsum und am Ende verkünden sie – wahrscheinlich mit einer Maß Bier schunkelnd –, dass doch jeder essen soll, was er will, denn ohne Fleisch wäre alles irgendwie fad. Schade, dass die Herren so sehr von gestern sind, dass selbst diese wenigen Seiten unerträglich werden. Geradezu mit pawlowschen Reflexen muss man widersprechen, oder sich übergeben. In Paris ist es momentan Alain Ducasse, in Berlin war es Michael Hofmann im Margaux und im Rheingau ist es auf der Burg Schwarzenstein Nils Henkel, sie alle beweisen, dass es selbst in der Haute Cuisine hervorragend ohne Fleisch geht und sich dadurch ganz neue Qualitäten erschließen – mit weniger Leid und mehr Genuss. Man könnte es den Autoren vielleicht verzeihen, wenn Selbstverliebtheit und Arroganz nicht ganz so groß wären: »Lasst uns gemeinsam Rinder, Kälber und Schweine schlachten, liebe Herren!« Und wir schauen, wie enorm lustig das wird, bevor wir die Tiere im Ganzen aufessen. Mal sehen, wer zuerst die Lust am Fleisch verliert. Bis dahin grille ich mir meine Auberginen und nutze die 200 Seiten als Anzünder!

Fleisch!: Eine Gesprächstherapie für Salatsklaven. ISBN 978-3-95542-255-4. 16,80 EUR

 

Zurück