10.000 Stunden Ehrenamt

Es duftet es schon nach Eintopf in dem engen Raum im Erdgeschoß der Evangelischen Kirche. Draußen ist es kalt. Heute kommen viele Gäste. Dichtgedrängt wartet schon rund ein Dutzend geduldig, bis der Schöpflöffel in das leckere Mahl eintaucht. VivArt taucht in das Ehrenamt ein.

LEA - Limburger EhrenamtsAgentur

Den Begriff ›Ehrenamt‹illustriert anschaulich der Stichworteintrag in der Allgemeinen Encyclopädie der Wissenschaften und Künste von 1838: »Ehrenamt (…) bezeichnet ein solches öffentliches Amt, das entweder mit keinem oder nur einem geringen Gehalt, auch, seiner Absicht nach, nicht mit der Hoffnung auf Erlangung eines besoldeten Amtes verbunden ist.«Im Allgemeinen wird heute unter Ehrenamt ein altruistisches Handeln verstanden, freiwillig und unentgeltlich. In der abendländischen Tradition gehört der individuelle Beitrag zum allgemeinen Wohl unverzichtbar zu einem mit Sinn erfüllten Leben. Schon in den Polis der griechischen Antike war es Sache jedes Bürgers, sich für das Gemeinwesen zu engagieren und in den Versammlungen über die Belange der Stadt zu diskutieren. Wer sich den Angelegenheiten des Gemeinwesens verweigerte, war ein ›idiótes‹, also ein Privatmensch.

Montags und donnerstags hat die Limburger Suppenküche geöffnet. Im fünften Jahr schenken abwechselnd 22 ehrenamtliche Helfer von Oktober bis Mai kostenlose Suppe an Bedürftige aus. Durchschnittlich kommen 20 ›seiner Gäste‹, wie Sigfrid Bochmann sie liebevoll nennt. Der kräftige, schmackhafte und abwechslungsreiche Eintopf stammt aus der Küche der Pallottiner, die Brötchen spendet die Bäckerei Simon.

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Der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Limburg, Stephan Meurer, rechts, mit seinem jungen Kollegen Kian Wolf

Nicht nur reden, sondern auch machen, hat sich Sigfrid Bochmann gesagt, und etwas gefunden, was ihn »munter hält«. Als Mitbegründer der Limburger-Ehrenamts-Agentur (LEA) weiß er aus Erfahrung: »Das Ehrenamt gibt zurück!«Über hundert Angebote bündelt die Agentur, die auf der Homepage der Stadt Limburg jeder nachlesen und sich dann engagieren kann. »Leute, die gut mit Menschen umgehen können – mit Verstand und Verständnis«, beschreibt Sigfrid Bochmann die nötigen Attribute. Im Ehrenamt könne man Kopf und Fuß bewegen.

Viele Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens würden ohne Ehrenamtliche kaum mehr existieren. Die Freiwillige Feuerwehr Limburg rückte vergangenes Jahr 320 mal aus! Sie ist 1867 aus dem Turnverein entstanden. Vorbei die Zeiten, in denen ein Hausbrand in der Stadt – bekämpft mit Holzeimern und Wasser aus den Brunnen – ganze Straßenzüge oder Stadtviertel ›auslöschen‹konnte. Wehrführer Stephan Meurer ging im Alter von zehn Jahren zur Jugendfeuerwehr. Naheliegend, waren doch Uropa und Opa aktive Feuerwehrmänner. Sein Weg führte ihn vom Betreuer und Jugendwart zum Chef der Einsatzabteilung, wo er heute die 60 freiwilligen Aktiven sowie zwei hauptamtliche Gerätewarte koordiniert. Zwei Stunden pro Woche schult er seine Männer und Frauen, ruhig und besonnen, vom schüchternen ›Frischling‹durch Erfahrung in brenzligen Situationen in seiner Persönlichkeit gereift.

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Danny Stallbohm gibt zurück, was er in seiner Karriere als Basketball-Profi gelernt hat

Wer 10.000 Stunden mit etwas verbringe, sei ein Profi, besagt eine alte Weisheit. Ehrenamtler werden leicht zu Profis. Bei Danny Stallbohm verläuft es andersherum. Den jungen Basketballern gibt er zurück, was er von den vielen Trainern in seiner langen Karriere als Basketball-Profi gelernt hat. Während dieser Zeit ist er weit herumgekommen. In Limburg hat er dann 1994 eine neue Heimat gefunden, auch seinen Job als Design-Engineer. Nun war er nicht mehr abhängig vom Sport als Verdienstquelle für den Lebensunterhalt. Basketball blieb aber weiter sein Lebensinhalt. Das Ehrenamt war für ihn ein Entwicklungsprozess.»Meine Frau brachte mich dazu, weniger wie ein Profi zu denken und dafür mehr als Ehrenamtlicher, indem ich mich mit dem Verein, dem wir jetzt angehören, identifiziere.«Das Ehrenamt hat aber seine erfolgsorientierte Qualität als Trainer und seine Liebe zu Limburg und dem Basketball nicht gemindert: »Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger«, dieses Motto hat der Athener Politiker Perikles schon 500 Jahre vor Christus als Errungenschaften der attischen Demokratie gepriesen.

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