Ein Rebenmeer, zwei Ozeane

Bernd Russbach aus dem Kapland Wonnegau ist der Triathlet unter den Winzern. Herrlich durchtrainiert schmecken auch seine Weine. Sein neuester Clou: Chardonnay, Sauvignon blanc, Riesling Morstein – und der Marathon ›Two Oceans‹; mit 56 Kilometern ein wahrer Ultra!

Alles kommt hier im Wonnegau entspannter daher, in sanften Wogen. Bernd Russbach kommt umso direkter zur Sache. Der ›Iron Winemaker aus Eppelsheim‹ weiß sich zu disziplinieren – ebenso wie seine Weine. ›Zwei Ozeane, ein Rebenmeer‹, lautet sein Credo. Das zielt auf sein Reich: die kühlen, windoffenen Lagen rund um Eppelsheim, die ihm mit trockenen Silvanern und Rieslingen bereits einen soliden Ruf abseits des Mainstreams einbrachten. Doch nun startet er so richtig durch mit Kalibern, bei denen die frische Wonnegau-Brise auch mal Orkanstärke erreicht. Seine beiden Chardonnay – der enorm günstige Ortswein wie der rauchigere Fumé auch – sind Must-haves selbst für Weinfüchse, die vom sanft eingehüllten Schmelz und der kühlen Reife darin nicht genug bekommen. Oder die Sauvignon blancs: Wehe, wenn Bernd Russbach damit Fahrt aufnimmt! Beim Gutswein setzt Russbach praktisch Vollzeug – mit Stachelbeere, Cassis, etwas Brennnessel und Melone-Kick. Der hat einfach alles, was man an den kommenden lauen Sommer­abenden auf der Terrasse braucht. Beim Terra fusca vom verwitterten Kalkstein fiert er noch den Spinnacker auf: Die würzigen mineralischen und gelb-grünen Noten tanzen nur so übers Rebenmeer. Und der rassig-exotische Sauvignon-blanc-Sekt navigiert souverän in neue Gefilde. Im trockenen Riesling aus dem Morstein 2014 jedoch schmeckt man Russbachs Leidenschaft für sein Rebenmeer, seinen Zauber am allerbesten heraus. Mit seinen Worten, seinen Weinen, die selbstbewusst vom Salz in der Urmeersuppe erzählen, die vor Äonen hier schwappte. Genauso gebannt ist man von seiner zweiten Leidenschaft: dem Laufen an zwei Ozeanen.

Bernd Russbach beim Enthefen
Der Marathon-Winzer Bernd Russbach beim Enthefen

»Bernd Russbach, der Ultra-Winzer, hat es nach 56 Kilometern endlich geschafft – und trägt fortan ein Rebenmeer und zwei Weltmeere zugleich in seinem Herzen! Bei uns Konsumenten kommt das ganz bestimmt auch an, seine Weine aus 2015 werden sicher wie gemeißelt.«

Manfred Lüer

Kapstadt, Karsamstag 2016, 4 Uhr in der Frühe. Am Fuße des berühmten Tafelberges hat es seit Monaten nicht geregnet, doch ausgerechnet zum Start des Two Oceans-Marathon regnet es sich ein. Das Durcheinander auf Kapstadts Straßen ist unbeschreiblich als sich 42.000 Teilnehmer den Weg zum Startbereich bahnen. Als der ihm zugeteilte Block gefunden ist, steigen Russbachs Puls und Adrenalin. Endlich geht es quasi am unteren Ende seiner Welt für Bernd Russbach zur Sache! »400 Meter vor mir gehen mit einem Kanonenschlag 26.000 Läufer auf die Halbmarathon­distanz, dahinter stehen 16.000 weitere, die sich wie ich auch den Ultramarathon über 56 Kilometer vorgenommen haben. Traditionell erschallt ›Shosholoza‹ aus den Lautsprechern. Das bedeutet soviel wie: ›mutig nach vorn schauen‹. Das Volkslied der schwarze Berg- und Eisenbahnarbeiter gehört auch beim Two-Oceans zum Startritual und ist praktisch so etwas wie die alternative Nationalhymne Südafrikas.« 

Bernd Russbach beim Enthefen
Die Kehrseite vom Weingenuss
Bernd Russbach beim Enthefen
Blitzeblank soll's werden fürs nächste Jahr

Eine magische Stimmung liegt über diesem grauen Morgen am Kap. Inzwischen ist es 6.20 Uhr: die Teilnehmer aus 24 Nationen werden über Lautsprecher begrüßt. »Das pure Gänsehautfeeling! Gemeinsam zählen wir Läufer den Countdown runter. Punkt 6.30 Uhr ein weiterer Kanonenschuss, der gilt mir, und obwohl ich im ersten Drittel des Starterfeldes stehe, brauche ich noch vier Minuten, bis ich überhaupt die Startlinie passiere. Die Laufstrecke führt bis Kilometer 23 relativ flach in südöstliche Richtung über Muizenberg und Kalk Bay. Jetzt kann man den Indischen Ozean schon sehen und riechen. Das Tempo der meisten Läufer ist außergewöhnlich forsch. Das mag aber auch an der grandiosen Stimmung entlang der Strecke liegen. Ab dem Örtchen Fischoek biegt die Strecke wieder Richtung Atlantik ab und nun geht es leicht bergan. Nun kommt die Sonne doch noch hervor und ein starker Gegenwind bläst. Bei Kilometer 29 beginnt der landschaftlich schönste Teil der Strecke, der ›Chapman’s Peak‹: Eine gewundene Küstenstraße hoch über dem Atlantischen Ozean mit einer atemberaubenden Aussicht über die Houtbay. Meine Oberschenkel brennen. Der ›Hammermann‹ – so nennt man in Läuferkreisen die Schmerzen in den Oberschenkeln und Waden –, schlägt ab Kilometer 35 unbarmherzig bei jedem Schritt zu. Die Marathonmarke bei 42,195 Km passiere ich mit 4 Std, 2 Min. Doch die letzten 14 Km in Richtung des Weinorts Constantia geht es zunächst brutal bergauf, das Tafelbergmassiv zur linken Hand. Viele Teilnehmer gehen nun an den Verpflegungsstellen langsamer, bei Kilometer 50 ist der Passscheitel erreicht und ich erblicke die ersten Weinberge, ein vertrauter Anblick. Die letzten 6 Km über Bishopscourt bis zum Ziel an der University of Capetown geht es wieder leicht bergab. 5 Std, 35 Min zeigt meine Uhr an, als ich das Ziel durchlaufe. Völlig erschöpft, aber sehr zufrieden mit meiner Leistung nehme ich die Finisher-Medaille entgegen.« Bernd Russbach, der Ultra-Winzer, hat es nach 56 Kilometern endlich geschafft – und trägt fortan ein Rebenmeer und zwei Weltmeere zugleich in seinem Herzen! Und bei uns Konsumenten kommt das ganz bestimmt auch an, seine Weine aus 2015 werden sicher wie gemeißelt.

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Weingut Russbach

Alzeyer Straße 22,
55234  Eppelsheim,
06735 960302

Infos zum Two Oceans Marathon:
Two Oceans Marathon

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