Zwischen Welten wandern

Wer das UNESCO-Weltkulturerbe in Lorsch besucht, wird zum Wandler zwischen den Welten. Die eine ist das gegenwärtige Leben in dem malerischen Ort Lorsch an der Bergstraße. Die andere datiert zu Zeiten Karls des Großen und inszeniert den Alltag auf einem Gutshof.

Vor allem die Nutztiere sorgen für ein tümlich anmutendes Ambiente im malerischen Lorsch an der Begrstraße

Wie haben die Menschen im 8. und 9. Jahrhundert in unserer Gegend gelebt? Aus­grabungen und Schrif­ten, vor allem aus dem klöster­lichen Leben der Benediktiner­mönche, lassen Rück­schlüsse auf den Alltag in der Karolinger­zeit zu. Gelegenheit, ihre An­nahmen zu überprüfen, haben Archäo­logen und Anthro­pologen jedoch nur selten. Das Karolingische Freilicht­labor Lauresham gibt dazu einmalige Ge­legenheit. Für Besucher mutet das Freilicht­labor wie eine Zeitreise an. Saß die Familie eben noch im Auto, steht sie nun staunend vor einem Ur­vieh von Auer­ochsen, der auf ebenso einfache wie an­strengende Weise ge­meinsam mit einem Men­schen den Boden beackert. Laures­ham ist zugleich Versuchs­anstalt und Mu­seum. Hier wird gelebt und gearbeitet wie auf einem karo­lingischen Herren­hof. Schnell wird klar: Ein solcher Hof war ein großer Be­trieb, auf dem tagein, tagaus Acker­bau und Vieh­zucht sowie verschiedene Handwerke be­trieben wurden. So tun es die Beschäf­tigten auf Lauresham auch heute – und zwar möglichst auf die gleiche Weise wie die Vorfahren vor mehr als 1.000 Jahren. Die ›Labor-Bauern‹ pflanzen und hegen alte Getreidesorten, haben ursprüngliche – oft rück­gezüchtete – Tier­rassen nach Lorsch geholt und benutzen bei ihrer Arbeit Werk­zeuge und Verfahren aus der Karolingerzeit.

 

Leben und Arbeiten im 8. Jahrhundert – anschaulich auf dem karolingischen Herrenhof

»Was auf den ersten Blick folkloristisch anmutet, dient einem hohen wissenschaftlichen Anspruch.«

 

Was auf den ersten Blick fol­kloristisch anmutet, dient einem hohen wissen­schaftlichen An­spruch: In dem im Jahr 2012 vor den Toren der Stadt an­gelegten Freilicht­labor können hand­werkliche und land­wirtschaft­liche Arbeits­techniken erprobt werden. Schon manche An­nahme über den Einsatz von Werk­zeugen oder über die Architektur von Ge­bäuden musste revidiert werden, weil sie dem Praxis­test in Lauresham nicht standhielt. Hier haben Wissen­schaftler die rare Möglichkeit, mittels Trial and Error ihre Theorien zu überprüfen.

Das Gebäude­ensemble umfasst Wohn-, Wirtschafts-, Stall- und Speicher­bauten sowie eine Ka­pelle. Hinzu kommen land­wirtschaftlich genutzte Flächen wie Wiesen, Äcker und Gärten, die auf mehr als vier Hektar Land ein in sich ge­schlossenes Bild ergeben. Somit ver­mittelt Laures­ham das Treiben auf einem früh­mittel­alterlichen Guts­hof ab­wechslungs­reich und fach­kundig – inklusive des Prinzips der Grund­herrschaft. 

Wie arbeitsreich der Weg vom Schaffell zum Kleidungsstück ist, zeigen die klassischen Handwerke

Ganz in der Nähe, für Besucher zu Fuß zu erreichen, hat eine andere Art des früh­mittel­alterlichen Lebens eindrucksvolle Spuren hinterlassen: Das Kloster Lorsch mit Abtei und der durch landschafts-architektonische Hervor­hebung sicht­bar gemachte Vor­gänger Alten­münster zählen seit dem Jahr 1991 zum Welt­kultur­erbe der UNESCO. Die pittoreske Königs­halle mit ihrer bunten Sand­stein­fassade ist eines der wenigen gut er­haltenen Gebäude aus der karolingischen Zeit.

Ein faszinierendes Aufgebot an Geschichte – erleb­bar bei einem Aus­flug an die südliche Bergstraße. Sonderführungen, Themenwochenenden, Aus­stellungen, Workshops, Ferien­programme und Vor­träge richten sich an die unter­schiedlichsten Besucher­gruppen. Wer nach der abwechs­lungsreichen Be­sichtigung in der urigen Lorscher Alt­stadt eingekehrt ist und sich schließlich mit dem Auto auf den Heim­weg macht, staunt noch eine Weile über das ebenso müh­selige wir authentische Leben der Men­schen im frühen Mitte­lalter.


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UNESCO-Welterbe Kloster Lorsch

Nibelungenstraße 32,
64653 L  Lorsch,
062515 1446
  • Di - So 10 – 17

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