Von Männerträumen, Werten und deren Erhaltung

Bei Juwelier Oberleitner an der Wilhelmstraße werden seit 30 Jahren edle Uhren veräußert, geschätzt und in den jeweiligen Manufakturen überholt, darunter exklusiv die Marke Patek Philippe. Stefan Oberleitner gilt manchen gar schon als Uhrenspezialist, so kenntnisreich ist er im Thema, dabei ist er ein meisterlicher Goldschmied – unter anderem. VivArt sprach mit ihm über eine Herzensangelegenheit, den Werterhalt.

Patek Philippe Eingang
Entree Patek Philippe Geneve

Herr Oberleitner, darf man die Uhren, in dem Segment, auf das Sie sich spezialisiert haben, überhaupt tragen?

Uhren sind zum Tragen da! Ich verwehre mich gegen die Ansicht, eine Uhr sei eine Aktie. Das hat die Uhr nicht verdient, das hat der Hersteller nicht verdient. Uhren sind ja zu allererst Zeitmesser, mit denen sich in der Hauptsache Männer schmücken. Was hätten wir denn sonst noch, außer Manschettenknöpfen? Folglich ist der Sammlermarkt für Herrenarmbanduhren größer, als der für Damenarmbanduhren.

Was für einen Typ Mann meinen Sie?

An sich ist es der technikverliebte Mann mit Sinn für Ästhetik. Er hat Hochachtung vor der Ingenieurskunst, die sich unter dem Ziffernblatt konzentriert. Aus einem ähnlichen Anspruch haben dieselben Männer oft auch Spaß an schönen Autos. Nur sind Autos natürlich ein extrovertierteres Hobby, während die Uhr auch mal unter der Manschette verschwindet.

Patek Philippe Uhr
Patek Philippe 5396G-014, Mechanisches Werk mit Handaufzug

»Uhren sind zum Tragen da! Ich verwehre mich gegen die Ansicht, eine Uhr sei eine Aktie.«

Stefan Oberleitner

Garagengold und Armbanduhren, das ist schön vergleichbar, aber man muss sich auch um beides kümmern.

Kümmern, ja, nur, dass man auch ein Bewusstsein dafür haben sollte, dass so ein richtig gutes Manufakturkaliber im Jahr mühelos 500.000 km zurücklegt – ohne Ölwechsel! Wenn Sie das mal von der Unruhe auf eine Achse übertragen! Je nachdem, wie kompliziert die Uhr ist, sollte sie deshalb alle drei bis fünf Jahre zur Revision. Die Schmiermittel verharzen oder diffundieren, sie verlassen die Stellen, an denen sie ihre Arbeit verrichten.

Und dann ist das Werk irreparabel festgefressen?

Nein, nur mit der sorgfältigen Revision, also der Zerlegung, der Überprüfung von Aufzug und Hemmung, von Zeiger- und Räderwerk, dem Tausch von Lagern oder dem Auswuchten der Unruh ist es dann nicht mehr getan. Wissen Sie, ein Uhrmacher macht nur perfekte Arbeit! Weil sein Produkt einen so hohen Grad an Perfektion aufweist. Und wenn aus der Revision eine Reparatur wird, mit neuen Teilen, wird es wesentlich aufwendiger und dann ist auch der Urzustand perdu. So etwas kann sich sogar wertmindernd auswirken.

Patek Philippe Werkstatt
Seltener Einblick in die Werkstätten von Patek Philippe

Worauf konzentrieren sich die Sammler?

Das Uhrenthema war früher nicht so groß. Uhren, die vor 30 oder gar 60 Jahren produziert wurden, gab es in kleineren Serien als heute. Die dann auch nicht selten in Details geändert wurden. Oder sie hatten einen prominenten Vorbesitzer. Albert Einstein trug übrigens Patek Philippe, Marie Curie auch. Oder manche Modelle galten als ›hässliche Entlein‹. Ich hatte hier eine Rolex Daytona, eine sogenannte Paul Newman, die wollte damals wirklich niemand. Heute ist sie bei Sammlern begehrt, die damit eine Lücke schließen wollen. Oft sind es wirklich nur Nuancen: Statt einem runden Minutenpunkt an der 5 und an der 7 ist er zuweilen eckig. Davon gibt es dann nur paar Stück und das stellt diesen enormen Wertgewinn dar. So kommt es, dass eine Uhr die einst 3.000 Mark gekostet hat, heute mit 80.000, 100.000 Euro oder noch höher gehandelt wird.

Wie verhält sich das bei Ihrer Hausmarke Patek Philippe?

Da betrifft es hauptsächlich die komplizierteren Modelle, etwa Worldtimer mit Emaille-Zifferblatt, oder Ewige Kalender. Beides eine Spezialität von Patek Philippe, schon in den frühen Jahren. Davon wurden mitunter nur fünf Stück hergestellt. Da liegen wir dann heute bei mehreren Millionen, und da kommen dann auch andere Luxusmarken gar nicht mehr mit. Heute muss man den Output vergleichen. Manch andere Luxusuhren-Hersteller fertigen im sechsstelligen Bereich jedes Jahr, und es kommt immer noch vor, dass ich meiner Kundschaft Patek Philippe geradezu erklären muss. Weil Sie so rar und meist nur unter Uhrenkennern bekannt sind, auch derzeit noch. Gleichzeitig ist die Nachfrage bei manchen Modellen so groß, dass diese gebraucht teurer sind, als neu bei mir im Laden – bedingt durch eine Produktion, die zwar allmählich gesteigert wird, aber der Nachfrage dennoch hinterherhinkt.

Merken Sie, welche Intention der Kunde mit der Anschaffung hat?

Ja, das höre ich schon heraus. Wenn man eine Marke pflegt, wie wir Patek Philippe, dann dringt der Werterhalt im Gespräch immer durch. Ich rede jetzt bewusst nicht von Wertsteigerung, sondern vom Erhalt der Investition. Es ist schon eindeutig, ob der Kunde sich für ein Uhrenmodell als Anlage interessiert, oder ob seine Augen richtig leuchten. Da kommen ganz andere Emotionen zum Tragen. Das sind Menschen, die wollen sich in so ein subtiles Räderwerk richtig hinein träumen. Da sind mitunter Zahnkränze drin, die nur alle 400 Jahre eine Bewegung machen. Kein Aktiendepot kann soviel Spaß machen!


Herr Oberleitner, wir danken für das spannende Gespräch.

Patek Philippe Uhr
Hier gibt das Patek-Modell mittels transparentem Boden manches Geheimnis preis wie Jahreskalender und Mondphasen
VivArt Service Logo

Juwelier Oberleitner

Wilhelmstraße 56,
65183  Wiesbaden,
0611 598551
  • Mo – Fr 10 – 18.30
  • Sa 10 – 16

Von Kleinigkeiten wie Batterie- und Armbandwechsel bei Uhren über die fachgerechte Revision bis zur Reparatur aller gängigen Armbanduhren und Markenuhren können Sie den Manufaktur-Service von Oberleitner in Anspruch nehmen. 

Zurück