Laufen ohne Wahn, Gas geben ohne Stress

So langsam hat man das Gefühl, das diese ›Hobbyläufer‹ die Parks in der Stadt von Jahr zu Jahr immer mehr bevölkern. Zwischen 17 und 19 Uhr braucht man gar nicht mehr aufzubrechen. Richtig Gas geben und sein Tempo laufen, daran ist zu dieser Tageszeit gar nicht erst zu denken. Von Joachim A. Rau.

Dehnungsübungen nach dem Lauf
Nach dem Laufen, dehnen nicht vergessen

Wer hat eigentlich diesen Laufwahn ins Leben gerufen? Und warum potenziert sich das Phänomen scheinbar jedes Jahr noch? Ganz deutlich beobachten kann man diesen Völkerlauf immer zu Jahresanfang. Weil dann die Gewissensbisse wegen des großen Fressens und der Unmengen an Alkohol über die Feiertage am größten sind. Ich finde es jedenfalls zum Schießen komisch, wie sich die halbe Stadt zugleich in ihre Sport-Outfits zwängt, um sich bei Wind und Wetter Runde um Runde durch die Parks zu quälen. Natürlich wird die Schinderei bei einigen nur dadurch angenehmer, dass man zum Laufen den bewusst eine Nummer zu klein erworbenen Trainingsanzug trägt – macht man dann doch eine besonders schlanke Figur. Oder dass man zum sexy Outfit nur den besten und teuersten Laufschuh der Saison trägt. Was ich absolut verstehen kann, denn nur dieser Schuh, lässt einen die Runde im Park mindestens 50 Sekunden schneller laufen. Es ist eben alles nur eine Frage der Überzeugung.

Zu meinem Glück gibt es noch die besonders engagierten Läufer, und zwar die Newcomer der ›Hobbyläuferszene‹. Also diejenigen, die in ihrem Leben zwar noch nie Sport gemacht haben, aber das Laufen neu für sich entdeckt haben. Ihnen steht die Motivation groß ins Gesicht geschrieben und der unbedingte Wille, elegant wie eine Gazelle durch den Park laufen zu können. Und das ist Klasse!!! Auf den ersten fünf Metern klappt das auch wunderbar. Danach beginnt der Kampf gegen den inneren Schweinehund. Und die Körperspannung geht flöten. Wenn das passiert, bloß nicht aufgeben! Lieber das Tempo rausnehmen, ganz bewusst auf die Haltung achten. Worüber sich Knie und Rücken übrigens am meisten freuen.

Und es gibt natürlich noch die erfahrenen Läufer. Die finden glaubhaft Gefallen daran, jeden Tag aufs Neue gegen die Zeit zu rennen. Auch wenn das den Verlust von sehr, sehr viel Schweiß bedeutet, lohnt sich die Disziplin. Warum? Na ja, weil es stimmt: Laufen macht fit! Macht glücklich! Ist unkompliziert! Und, verdammt noch mal, ja: Laufen ist Freiheit! Und für alle, die Spaß am Laufen haben – hier meine Tipps zu Strecken, auf denen man in Frankfurt noch so richtig Gas geben kann.

Nr. 1

Volkspark Niddatal, kurz Niddapark:

Flächenmäßig gesehen ist er der größte Park in Frankfurt. Egal ob 5, 10 oder 15 km, für jede Distanz gibt es ein geeignetes Streckenprofil im Grünen. Für die Marathonvorbereitung folgt man der Nidda 20 km flussabwärts in Richtung Höchst. Oder die 30 km flussaufwärts gen Bad Vilbel. Open-Air-Fitnessgeräte gibt’s hier auch.

Wie kommt man hin?

Der Park liegt im Nordwesten der Stadt und ist von den Stadtteilen Westend und Bockenheim leicht zu erreichen. Wer vom Grüneburgpark startet, überquert die Brücke am Kopf des Parks in Richtung Bockenheim. Nach der Brücke rechts haten und dem Weg circa 1,5 km lang folgen. Et Voila! Und wer von Bockenheim startet, läuft zur Brücke in Richtung Grüneburgpark und biegt vor der Brücke links ab.

 

Nr. 2

Der Frankfurter Huthpark:

Landschaftlich betrachtet ist der Hutpark Augenfutter – schon allein wegen der tollen Aussicht nach Seckbach. Das circa 3,5 km lange Streckenprofil ist wegen der Steigung etwas anspruchsvoll. Wer davon noch mehr verträgt, läuft etwa 5 Minuten weiter in Richtung Norden zum Lohrberg. Zwischen den Weinreben lassen sich wunderbar Bergsprints trainieren.

Wie kommt man dort hin?

Der Park liegt in Richtung Unfallklinik und grenzt an den Stadtteil Seckbach. Von Bornheim aus startet man im Günthersburgpark. Am oberen Parkausgang folgt man dem Weg zwischen den Schrebergärten in Richtung Friedhof. Dann die Autobahnbrücke überqueren und 3 Minuten später ist man da.

 

Nr. 3

Stadtwald in Sachsenhausen:

Die grüne Lunge der City ist DER idealer Ort zum Laufen, zum Abschalten und Frischluft tanken. Ein Wald mit vielen Kreuzungen, breiten Wegen und Trampelfaden, auf denen es sich toll trainieren lässt. Zum Beispiel Kross- oder Tempowechselläufe.

Wie kommt man dort hin?

Der Wald liegt im Süden der Stadt oben auf dem Sachsenhäusener Berg. Direkt hinter der berühmten Sachsenhäuserner Warte, beginnt auch schon der Wald.

Zurück